Jetzt Produktion klimafreundliche Flugtreibstoffe fördern

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

IASA will Power-to-Liquid-Projekte (PtL) beschleunigen

Seit nunmehr fünf Jahren wirbt IASA für die Einführung klimafreundlicher, im Idealfall sogar CO2-neutraler Flugtreibstoffe auf sogenannter PtL-Basis. Die Aussicht auf eine mögliche Befreiung von der Energiesteuer ist geeignet, so IASA, die kommerzielle Realisierung von Power-to-Liquid-Projekten (PtL) erheblich zu beschleunigen. Mittels der sogenannten „Fischer-Tropsch-Synthese“ gewonnenes Kerosin ist schon heute nach der internationalen Normierungsbehörde ASTM für eine bis zu 50-prozentige Beimischung zu fossilem Kerosin (blend) in der Luftfahrt zugelassen. Der Kraftstoff ist „drop-in-fähig“, erfordert also keinerlei Modifikationen an Triebwerken oder Fluggerät. Die Technologie zur Herstellung dieser innovativen Kraftstoffe ist in Deutschland vorhanden und weitestgehend marktreif.

Die Kosten für synthetisches Kerosin liegen jedoch derzeit noch – teils auch aufgrund der Energiesteuer – deutlich über denen des fossilen Kerosins Jet A1. Ein Fortfall der Besteuerung würde die Einführung klimaschonender Kraftstoffe in den von der Steuer betroffenen Segmenten erleichtern und damit helfen, derartige Kraftstoffe auf breiter Basis einzuführen.

Die IASA unterstützt derzeit mehrere Demonstrationsprojekte in Deutschland zur Erzeugung von synthetischem, klimaneutralen Flugtreibstoff. Da in der Öffentlichkeit dieses klimaschonende und nachhaltige Verfahren noch weitgehend unbekannt ist, benötigen „PtL-Leuchtturmprojekte“ noch eine breite Unterstützung, insbesondere durch die Nutzer der Luftfahrt, die Passagiere. IASA appelliert  daher an alle Interessenten einer nachhaltigen Luftfahrt, entsprechende PtL-Initiativen und Projekte zu unterstützen. Für weitergehende Informationen siehe  https://iasaev.org oder www.power-to-liquid.org

Das Interview mit dem bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Markus Söder ist unter folgendem Link abrufbar: Mediathek des Bayerischen Fernsehens (BR)

Söder: Umstieg auf synthetische Kraftstoffe belohnen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Bayerischer Ministerpräsident will Energiewende im Verkehr beschleunigen

München, 30. Mai 2019: Der bayerische Ministerpräsident will die Energiewende im Verkehr beschleunigen. In der ‘Münchner Runde’ des Bayerischen Fernsehens sprach sich Dr. Markus Söder am 30. Mai für eine Steuerbefreiung EE-strombasierter synthetischer Kraftstoffe aus.

Schwerpunkt der Diskussion mit dem bayerischen Landesvater war das Ergebnis der Europawahl. Die Wahl, so Söder, habe verdeutlicht, dass die Mehrzahl der Wähler in Deutschland mehr Klimaschutz wolle. In diesem Kontext verwies Söder auch auf die Wirkungslosigkeit einer sogenannten Ökosteuer und die Tatsache, dass Steuern dieser Art nur dem Staat Einnahmen verschaffen, in Punkto CO2-Reduzierung aber wirkungslos bleiben.

Statt Verkehrsteilnehmer zu bestrafen will der bayerische Ministerpräsident Anreize für mehr Klimaschutz schaffen und klimafreundliches Verhalten belohnen. Man müsse dem Verkehrsteilnehmer klimafreundlichere Alternativen anbieten, wenn man eine schnelle Energiewende im Verkehr wünsche. In diesem Zusammenhang plädierte Söder für mehr Innovation im Verkehrssektor und vor allem für intelligente Anreizsysteme, die eine möglichst große Breitenwirkung erzielen. Söder: „Das Konzept zu glauben, mit Strafe etwas zu erreichen, halte ich für falsch! Wir müssen ein intelligentes Angebot der Anreize setzen!“  Dies gelte auch für den Umstieg auf synthetische, klimaneutrale Kraftstoffe, für die er sich – so Söder – am Ende eine komplette Steuerfreiheit vorstellen könne.

IASA begrüßt Söder Vorstoß

Als Verband zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Luftfahrt begrüßt die IASA ausdrücklich den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten, klimafreundliche Kraftstoffe steuerlich zu begünstigen bzw. von der Energiesteuer freizustellen! Ein klares politisches Bekenntnis zu verantwortungsbewusster Mobilität sei aus Sicht der IASA heute wichtiger denn je. Wenn man Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Wohlstand in unserem Land nicht gefährden wolle, führe der Weg zu mehr Klimaschutz vor allem über mehr Innovation und nicht über Verbote. Dies gelte insbesondere für den Luftverkehr, der noch auf lange Sicht auf Kraftstoffe hoher Energiedichte angewiesen sei – ein Problem, das sich derzeit nur über EE-strombasierte, CO2-arme bzw. CO2-neutrale Kraftstoffe aus Erneuerbaren Energien lösen lasse.

Das Auto lernt fliegen

Flugtaxis

Mit Bosch-Technik lernt das Auto fliegen

Pressemeldung Vernetzte Mobilität

Sensorbox für Lufttaxis

  • Studie prognostiziert eine Milliarde Flüge mit Flugtaxis in 2030.
  • Mit der Bosch-Sensorbox lassen sich Lufttaxis präzise steuern.
  • Sensorlösung von Bosch bringt Kostenvorteile durch den Einsatz serienerprobter Technik aus dem Automobilbau.

Stuttgart – Stau in den Metropolen weltweit: Da möchte so mancher Autofahrer in die Luft gehen. Das könnte in wenigen Jahren sogar eine echte Lösung sein. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group prognostiziert für 2030 weltweit eine Milliarde Flüge mit den meist unbemannt fliegenden Lufttaxis, wenn sich Sharing-Dienste auf festen Routen auch über den Straßen etablieren. Bosch arbeitet an moderner Sensortechnik, um diese Flüge besonders sicher und komfortabel zu machen. „Ab spätestens 2023 werden die ersten Flugtaxis in Großstädten abheben. Bosch möchte diesen Zukunftsmarkt als Zulieferer mitgestalten“, sagt Harald Kröger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Automotive Electronics. Bosch hat dafür eine Marktlücke entdeckt: Herkömmliche Luftfahrttechnik ist zu teuer, zu groß und zu schwer um in autonomen Flugtaxis eingesetzt zu werden. Moderne Sensoren, die auch fürs automatisierte Fahren oder im Schleuderschutzsystem ESP eingesetzt werden, können die Lücke aber schließen. Das Entwickler-Team hat daher dutzende Sensoren in einem Universalsteuergerät für Flugtaxis zusammengeführt.

Bosch-Technik für Flugtaxis

Das Universalsteuergerät mit serienerprobten Bosch-Sensoren soll dafür sorgen, dass Position und Flugzeuglage der fliegenden Taxis jederzeit ermittelt werden können und sie sich präzise und sicher steuern lassen. Dafür sorgen beispielsweise Beschleunigungs- und Drehratensensoren, die die Bewegungen und den Neigungswinkel der Fluggeräte exakt messen. Im Gegensatz zu aktuellen Sensorlösungen in der Luftfahrt, die teilweise mehrere zehn- bis hunderttausend Euro kosten, kann Bosch diese Lösung für einen Bruchteil der Kosten realisieren. Der Grund: Das Unternehmen setzt serienerprobte Sensoren ein, die Bosch bereits seit Jahren für die Automobilindustrie entwickelt und herstellt. „Wir wollen mit unserer Bosch-Lösung die zivile Luftfahrt mit Flugtaxis für viele Anbieter erschwinglich machen“, sagt Marcus Parentis, Leiter des Technik-Teams bei Bosch, das sich um Steuergeräte der elektrisch betriebenen Kleinflugzeuge kümmert. Zudem sind die Bosch-Sensoren besonders klein und leicht. Hersteller von Flugtaxis können die Sensorbox von Bosch nach dem Plug&Play-Prinzip einfach in ihre Fluggeräte einbauen.

Shared Mobility in der Luft: Eine Milliarde Flüge mit Flugtaxis in 2030

Der Mark für Flüge mit Elektro-Lufttaxis in Städten soll in den kommenden Jahren stark wachsen. Bereits für 2020 ist der Probebetrieb in Städten wie Dubai, Los Angeles, Dallas und Singapur geplant. Ab 2023, so schätzen Experten, startet der kommerzielle Betrieb. Während dann wohl zunächst noch Piloten mit an Bord sind, könnten die Kleinflugzeuge ab 2025 schon autonom über den Dächern der Metropolen schweben, gesteuert durch Personal am Boden. Rund 3 000 Flugtaxis werden zu diesem Zeitpunkt weltweit im Einsatz sein (Quelle: Roland Berger). 2030 steigt ihre Zahl auf 12 000, spätestens 2050 sind knapp 100 000 der fliegenden Taxis unterwegs. Die Unternehmensberatung Morgan Stanley schätzt, dass der Markt für Flugtaxis im Jahr 2040 sogar

1,35 Billionen Euro (1,5 Billionen US-Dollar) groß sein könnte. Das gilt nicht nur in den USA und Südostasien, sondern auch in deutschen Groß- und Mittelstädten. In Regionen wie dem Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Gebiet oder im Dreieck München, Augsburg und Ingolstadt könnten sie die Reisen auf Kurz- und Mittelstrecken deutlich beschleunigen. Von den wachsenden Marktchancen ist auch Marcus Parentis von Bosch überzeugt: „Wir sind im Austausch mit Herstellern von Lufttaxis aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie, aber auch mit Start-ups, die die Fluggeräte bauen und Sharing-Dienste anbieten wollen“, sagt Parentis. „Die Frage ist nicht, ob Flugtaxis kommen, sondern wann.“

Flugtaxis

Welche Technik liefert Bosch?

In der Sensorbox stecken MEMS-Sensoren. Die Abkürzung steht für Mikroelektromechanische Systeme. Die ersten MEMS-Sensoren für Fahrzeuge hat Bosch bereits vor über 25 Jahren entwickelt. Dort versorgen sie die Steuergeräte mit Daten, ob das Fahrzeug gerade bremst oder beschleunigt, und wohin es fährt. Die Sensorbox für Flugtaxis von Bosch hat Beschleunigungssensoren an Bord, die die Bewegungen des Fluggerätes messen. Eingebaute Drehratensensoren messen den Neigungswinkel des Fluggeräts und Magnetfeldsensoren die Ausrichtung der Himmelsrichtung. Zudem gehören Drucksensoren zum Paket, die über den barometrischen Druck die Höhe des Fluges messen und über den Staudruck die aktuelle Geschwindigkeit ermitteln.

Sensorbox

Wem liefert Bosch die Sensorbox?

Bosch ist im Austausch mit vielen Playern in diesem Bereich – von Lufttaxi- Herstellern bis zu Start-ups, die Fluggeräte bauen und Sharing-Dienste anbieten wollen. Aktuell gibt es – wie bei jeder neuen Technik – eine Vielzahl an Varianten von Flugkonzepten. Welches Konzept das Rennen macht, ist derzeit schwer abzuschätzen. Das Plug&Play-Steuergerät von Bosch passt in jedes Fluggerät.

Warum sollten Flugtaxis eine Alternative sein?

Flugtaxis umgehen den Stau in Metropolen auf eine ganz neue Art und Weise: in der Luft. Damit sind sie in den Metropolen der Zukunft eine zusätzliche Alternative, um schnell von A nach B zu kommen. „Einen zeitlichen Vorteil können Flugtaxis gegenüber heutigen Verkehrsmitteln schon ab zehn Kilometern Reisedistanz bringen, die maximalen Reichweiten liegen bis zu 300 Kilometern“, sagt Parentis.

Wie viel sollen Flugtaxis kosten?

Je nach Konzept und Anzahl an Passagierplätzen wird der Preis eines Flugtaxis bei etwa 500 000 Euro liegen. Deshalb spielen automatisierte und elektrisch betriebene Fluggeräte gerade bei Sharing-Lösungen einen Vorteil aus. Dennoch ist der Preis für ein Fluggerät deutlich niedriger als für einen vergleichbaren Helikopter mit heutiger Technik. Für Zulieferer ist es daher wichtig, zuverlässige Technik anzubieten, die nicht nur wenig wiegt und sich einfach einbauen lässt, sondern die auch einen Kostenvorteil gegenüber traditioneller Luftfahrttechnik hat. „Genau da kommen wir mit der MEMS-Sensorbox ins Spiel. Wir wollen mit unserer Bosch-Lösung die zivile Luftfahrt mit Flugtaxis für viele Anbieter erschwinglich machen“, sagt Parentis.

Quelle: Bosch 


 

Förderung strombasierter Kraftstoffe

strombasierte Kraftstoffe

Landesflughafen fördert neue Verbindungen und emissionsarmes Fliegen

Flughafen Stuttgart, 09.05.2019

Am Flughafen Stuttgart gelten ab dem 01. Juli 2019 neue Preise für Starts und Landungen. Damit soll der Ausbau des Streckennetzes und der Einsatz innovativer Techniken wie z.B. elektrische Antriebe oder strombasierte Kraftstoffe gezielt gefördert werden. Dazu wird transparent gemacht, welche Unterstützung Airlines für neue Ziele erwarten dürfen. Eine neue Entgeltordnung wurde dafür Ende Januar 2019 beim Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg eingereicht und von der Behörde nun genehmigt.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz fördern

Verkehrsminister Winfried Hermann, Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafen Stuttgart, lobte die neue Entgeltordnung als wichtigen Beitrag zu Transparenz und Diskriminierungsfreiheit. Er sagte: „Darüber hinaus wird eszukünftig noch mehr darum gehen, Nachhaltigkeit und Klimaschutz durch entsprechende Entgeltanreize zufördern.“

Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG), begrüßte die Neufassung: „Wir haben gemeinsam mit unseren Airlinepartnern über viele Jahre hinweg unsere Konnektivität im Interesse der Menschen und des Wirtschaftsstandorts ausgebaut. Damit die Region auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt, müssen wir weiter an unserem Mobilitätsangebot arbeiten. Gleichzeitig muss das Fliegen so schnell wie möglich klimafreundlicher werden. Die neue Entgeltordnung ist einer der Bausteine dazu, mit de- nen wir als Infrastrukturanbieter dafür Anreize setzen können.“

Dr. Arina Freitag, Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH sagte: „Mit der neuen Entgeltordnung sind wir deutschlandweit der erste Airport, der mit diesem Instrument den Einsatz von alternativem Kerosin und elektrisches Fliegen fördert. Gleichzeitig belohnen wir die Aufnahme neuer Strecken und gut ausgelastete Maschinen. Nachhaltigkeit heißt für uns auch, dass wir langfristig denken und uns an den Bedürfnissen aller Stakeholder orientieren. Für unsere Fluggäste wollen wir unser Streckennetz nachhaltig weiterentwickeln, für unsere Nachbarn fördern wir möglichst leises Fluggerät. “

strombasierte Kraftstoffe

In der neuen Entgeltordnung für die Airlines werden für leisere Flugzeugtypen günstigere Gebühren fällig, während für lautere Flugzeuge deutlich höhere Preise gelten. Flugbewegungen in den Tagesrandzeiten, also nach 22 Uhr, werden mindestens doppelt so teuer als bisher. Flugzeuge mit elektrischen Antrieben werden zukünftig ein Jahr lang gratis in Stuttgart landen dürfen. Darüber hinaus wird der Einsatz von alternativen Treibstoffen gefördert. Ziel der strategischen Anpassung ist es, den Airlines langfristige Anreize für die An- schaffung besonders leiser und klimafreundlicher Flugzeuge zu setzen. Mit den Entgelten finanziert der Flughafen seine Infrastruktur wie Flugbetriebsflächen und Terminals.

Power to Liquid Anlage im industriellen Maßstab geplant

Industriekonsortium auf dem Weg zu grünem Kerosin

15.04.2019

Ein Förderantrag zum Bau einer industriellen Demonstrationsanlage und gemeinsame Forschung – darauf haben sich heute namhafte Partner im Rahmen einer Absichtserklärung unter dem Titel GreenPower2Jet (GP2J) verständigt. Ziel des Projektes ist es, nach einem erfolgreichen Pre-Engineering, eine industrielle Power to Liquid-Anlage (PtL) zu bauen, die vor allem nachhaltige synthetische Kohlenwasserstoffe liefert, um grüne, klimaneutrale Flugkraftstoffe zu produzieren. Die Technische Universität Hamburg (TUHH), Airbus, BP mit BP Lingen und Air BP, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Dow und Hoyer Logistik beteiligen sich damit an dem vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ausgeschriebenen „Ideenwettbewerb Reallabore der Energiewende“.

Der Verkehrssektor steht vor der großen Aufgabe, die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahren deutlich zu reduzieren, um so die Pariser Klimaziele zu erreichen. Hierzu muss die Energie-Effizienz weiter erhöht werden, um zu einem geringeren Energieverbrauch für den Transportsektor zu gelangen. Ein Schlüssel zum Erfolg der Mobilität von morgen können unter anderem elektrische Antriebsformen im Straßenverkehr wie beispielsweise Elektroautos oder E-Scooter sein, sofern diese mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Im Flugverkehr lassen sich Triebwerke und Kerosin jedoch nicht so einfach durch Elektromotoren und Batterien ersetzen.

„Das liegt daran, weil alternative Antriebe fehlen und die Energiedichte von Batterien weit von der des Kerosins entfernt ist“, sagt Siegfried Knecht, Vorstandsvorsitzender der Luftfahrtinitiative aireg. Daher sind die Fluggesellschaften auf Erdöl-basierten Flugtreibstoff angewiesen mit dem Nachteil der damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Doch gerade der Flugverkehr wird künftig weiter deutlich wachsen, laut der Prognose des Branchenverbandes IATA mit ca. 3,5 Prozent pro Jahr weltweit für die nächsten Jahrzehnte.

Deshalb steht die Produktion von nachhaltigen Flugtreibstoffen im Fokus des aktuellen Engagements des GP2J-Konsortiums. Damit die Treibhausgasemissionen in der Luftfahrt nachhaltig und massiv reduziert werden können – trotz des vorhersehbaren Wachstums – muss es Projekte wie GP2J geben, um Kerosin auf Basis der PtL-Technik breit in den Markt einzuführen. Dabei beschreibt PtL (Power-to-Liquid) unterschiedliche technische Prozesse, die die nachhaltige Herstellung flüssiger Kraftstoffezum Ziel haben. Das geschieht durch den Einsatz von „grüner“ elektrischer Energie, die wesentlich zur Senkung von Treibhausgasemissionen beiträgt, da sie aus der Nutzung regenerativer Energiequellen stammt. Im Idealfall kann so klimaneutrales Kerosin produziert werden.

Daher ist Know-how aus unterschiedlichen Bereichen gefragt. Zum Konsortium gehören deshalb neben der TUHH als Projektkoordinator auch Airbus, BP, Air BP, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Dow und Hoyer Logistik sowie als potenzielle Abnehmer für den produzierten Kraftstoff DHL, easyJet, unterstützt durch den Flughafen Hamburg, GDH Transport und Containerlogistik und die Flotte Hamburg. Geplant ist, die Projektidee über eine Förderdauer von fünf Jahren zu verwirklichen.

In einem ersten Schritt und nach einer 6-monatigen Pre-Engineering-Phase kann im Einvernehmen der Partner bis ca. 2021/22 eine industrielle PtL-Anlage auf Basis der sogenannten Fischer-Tropsch Synthese beim Material-Science-Unternehmen Dow in Stade entstehen. Die dort produzierten synthetischen Kohlenwasserstoffe sollen als Grundlage für die weitere Produktion an die BP Raffinerie Lingen geliefert, die eine Aufbereitung durchführt und daraus grünen, klimaneutralen Flugkraftstoff produziert. Geplant ist, diesen Treibstoff am Hamburger Flughafen auf regelmäßig geflogenen Strecken und für die Erstbetankung von Airbus-Flugzeugen in Hamburg-Finkenwerder zu nutzen. Zusätzlich wird aus den verbleibenden Nebenprodukten „grüner“ Diesel erzeugt, der dann im schweren Güterfernverkehr und auf Schiffen des Hamburger Hafens eingesetzt wird. Nach heutigen Maßstäben ist keines der Produkte aus dem so erzeugten Portfolio wirtschaftlich herstellbar und daher sind regulatorische Anreize und Fördermittel notwendig, damit diese für die Erreichung anspruchsvoller THG-Minderungsziele wichtige Technologie weiterentwickelt wird.

Ulf Neuling von der TUHH, der den Projektantrag koordiniert: „Durch dieses Vorhaben kann erstmals eine signifikante Menge an PtL-Produkten in Deutschland erzeugt und verkehrsträgerübergreifend – im Luftverkehr, auf dem Wasser und im schweren Straßengüterverkehr – genutzt werden.“

Foto: BP Europa SE

Die Experten möchten im Rahmen des Reallabors in Erfahrung bringen, inwieweit sich der Einsatz der PtL-Technik wirtschaftlich und ökologisch optimieren lässt bzw. wie die energiewirtschaftlichen Bedingungen sein müssten, damit derartige Konzepte tragfähig werden.

Auch wenn die finalen Investitionsentscheidungen noch nicht getroffen sind, betreten die Beteiligten mit der Herstellung von PtL-Kraftstoffen kostenintensives und technisch äußerst anspruchsvolles Neuland, das zukunftsweisende Innovationen nach Norddeutschland und die Umwelt einen großen Schritt nach vorne bringt.

Quelle: TUHH

Lindbergh Innovation Forum

Nachhaltige Luftfahrt

Friedrichshafen, 12. April 2019

Elektromobilität in der (Allgemeinen) Luftfahrt

Im Rahmen der Luftfahrtmesse AERO fand am 11. April das Lindbergh Innovation Forum statt, das sich dem Thema Elektromobilität und Innovation in der Luftfahrt widmete. Die Veranstaltung wurde von Erik Lindbergh, Enkel des berühmten Luftfahrtpioniers Charles Lindbergh, moderiert.

Erik Lindbergh, der 2002 zum 75. Jahrestags des Erstfluges über den Atlantik durch seinen Großvater diesen Flug mit einem einmotorigen Flugzeug wiederholte, gab sich zuversichtlich, dass elektrisch betriebene Flugzeuge bereits in kurzer Zeit selbstverständlich sein werden. Er lud die Teilnehmer ein, sich bereits jetzt mit dem Jubiläumstermin anlässlich des hundertsten Jahrestags des Erstflugs vorzubereiten, der am 20./21. Mai 2027 gefeiert werden wird. Ideen dazu nimmt Erik gerne unter info@lindberghfoundation.org an.

Die zahlreichen Vorträge im Forum gingen von neuen Technologien, elektrische und hybrid-elektrische Antriebe für Flugzeuge über künstliche Intelligenz in der Luftfahrt bis zu aktuellen VTOL-Entwürfen (VTOL = Vertical Take-Off and Landing = Senkrechtstarter).

Nachhaltige Luftfahrt

Erik Lindbergh, Enkel des großen Luftfahrtpioniers

Zulassung offen

Thema der Veranstaltung war auch, wie autonome, elektrisch betriebene VTOLs genehmigungsrechtlich behandelt werden sollen und wie weit bereits der Zertifizierungsprozess hier gediehen ist. Zu letzterem Punkt gab es leider keine konkreten Aussagen, möglicherweise wird bei der Zertifizierung von autonomen Fluggerät Europa leider mal wieder abgehängt werden.

Dennoch war auch im Lindbergh Innovation Forum die Aufbruchstimmung zu spüren, die in der Luftfahrtbranche derzeit herrscht. Es ist keine Frage, dass elektrisch betriebene und insbesondere autonome Fluggeräte in naher Zukunft ganz selbstverständlicher Bestandteil unserer Mobilität sein werden.

Autor: Michael Wühle (IASA e.V)


 

Luftfracht: Daten zum Fliegen bringen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Größte Air-Cargo Messe der Welt

(PresseBox) (München, 18.03.19)

Künstliche Intelligenz durchdringt Luftfrachtkette

Mit dem Internet of Things suchen sich Sendungen selbst ihren Weg
Branchentreff air cargo Europe während transport logistic, 4. bis 7. Juni 2019, in München. 
Höhere Anforderungen an den Klimaschutz, die wachsende Bedeutung des Online-Handels sowie der Mangel an Fachkräften gehören zu den großen Herausforderungen der globalen Luftfrachtindustrie. Lösungsansätze bieten die Künstliche Intelligenz, weitere Automatisierung und das Internet of Things. Die Branche forscht aber auch an alternativen Antrieben.

Sie ist die größte Luftfrachtmesse der Welt: die air cargo Europe während der transport logistic in München. Mehr als 220 Unternehmen aus über 40 Ländern werden auf rund 15.000 Quadratmetern ausstellen. „Wir freuen uns, dass wir unter anderem mit Neutral Air Partner, WCA, Finnair Cargo, Antonov Airlines, Thai Airways und All Nippon Airways weitere wichtige Player der Luftfrachtbranche für die Messe gewonnen haben”, erklärt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München.

KI setzt sich unweigerlich durch

„Die Anwendung von KI ist die logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung in der Luftfracht“, erklärt Prof. Dr. Joachim Ehrenthal von der Fachhochschule Nordwestschweiz, Mitgestalter der offenen Diskussionsrunde „Artificial Intelligence: Next Level Air Cargo?“. Durch den „Austausch über konkrete Anwendungsfälle“ will Ehrenthal das Thema künstliche Intelligenz „auf den Boden bringen.“ KI wird bereits jetzt entlang der Luftfracht-Kette eingesetzt, etwa für Prognosen, optische Prozessüberwachung, die Fahrzeugwartung, das Packen von Behältern oder die Betrugserkennung.

Oftmals passen zu den Luftfracht-Anforderungen die Verfahren der ‚Computational Intelligence‘. Darunter werden von der Natur inspirierte Verfahren verstanden, wie zum Beispiel künstliche neuronale Netze und Schwarmintelligenz. Der Fokus liegt dabei immer auf Daten und deren automatisierter Nutzung. „Wir müssen die Daten zum Fliegen bringen: Das heißt, dass bestehende Datenfriedhöfe aktiviert und in betriebliche Entscheidungs-systeme verwandelt werden müssen“, fasst Ehrenthal zusammen.

Dr. Harald Sieke, Abteilungsleiter Luftverkehrslogistik vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), bestätigt diese Sichtweise: „KI wird entlang der gesamten Luftfrachttransportkette eingesetzt werden. Die aussichtsreichsten Möglichkeiten bestehen bei Buchung, Reservierung sowie beim Frachtaufbau für die Flugzeugladung.“ Es werde durch KI auch zu Verschiebungen im Markt kommen, da sich einzelne Player neu aufstellen und andere vom Markt verschwinden werden.

E-Commerce – auch international immer kleinteiliger
Ein weiterer Trend: Der stark wachsende Onlinehandel führt seit Jahren zu immer kleinteiligeren Sendungen bis hin zu Einzelstücken. „Diese Kleinteiligkeit wird vor allem im grenzüberschreitenden E-Commerce ansteigen, ein für die Luftfracht sehr wichtiges Segment“, prognostiziert Sieke. Zudem will der Kunde den Transport möglichst lückenlos verfolgen. Cargo iQ, eine Initiative der International Air Transport Association (IATA), will deshalb zur Prozesskontrolle, Qualitätsüberwachung und Serviceverbesserung beitragen. Emirates SkyCargo ist hier bereits seit März 2018 zertifiziert. „Wir interagieren proaktiv mit unseren Kunden über den Versandstatus“, sagt Nabil Sultan, Emirates Divisional Senior Vice President Cargo. „Wir überwachen rund um die Uhr die Transporte anhand festgelegter Meilensteine in Echtzeit und ergreifen bei Abweichungen oder Verspätungen Korrekturmaßnahmen.“
Automatisch bis selbst-navigierend
Der Fachkräftemangel beschleunigt zudem den Trend zu automatisierten Systemen sowohl beim Handling als auch beim Transport von Luftfracht. Gleichzeitig werden „bis zu fünf Prozent der Luftfracht durch 3-D- und 4-D-Druck überflüssig werden“, schätzt Sieke. Stelle man diese Zahl jedoch dem erwarteten jährlichen Wachstum der Luftfracht gegenüber, dann seien „die Effekte dieser Techniken als vernachlässigbar anzusehen“. Einen wesentlich größeren Einfluss wird hingegen das Internet of Things haben. „In Zukunft suchen sich die Sendungen selbst ihren Weg durch das Luftfrachtnetz“, meint der Wissenschaftler. In fünf bis zehn Jahren werde die aktuell intensive Forschung dazu in der Praxis spürbar sein.

Maßnahmen für den Klimaschutz

Zum Klimaschutz leistet die Luftfracht-Branche bereits heute einen vielfältigen Beitrag, von der Elektrifizierung des Bodenverkehrs bis hin zu Solaranlagen für die Bauten. Es gilt natürlich, die Nachhaltigkeit des Transportmittels Flugzeug insgesamt zu erhöhen. An diesem Ziel arbeitet zum Beispiel die europäische Clean Sky Joint Technology Initiative (JTI). Sie ist mit 1,6 Milliarden Euro das größte EU-Projekt für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrt in Europa. Ein großer Potenzialträger ist die Power-to-Liquid-Technologie, ein Verfahren zum Erzeugen klimaneutraler synthetischer Flüssigbrennstoffe. Gleiches gilt für das hybrid-elektrische Fliegen – Norwegen plant damit die emissionsfreie Luftfahrt bis zum Jahr 2040. Bis zum vollelektrischen Frachtflieger ist es dagegen aufgrund technischer Beschränkungen noch ein weiter Weg.
Quelle: PresseBox

Fuhrpark des Flughafen Nürnberg wird elektrifiziert

nachhaltige Luftfahrt

Airport fliegt auf Strom – Neue Schlepperflotte fährt elektrisch

14.03.2019

Im Rahmen seines Energiemanagements wird der Airport Nürnberg seit letztem Jahr mit 100 Prozent Ökostrom versorgt. Nach und nach wird jetzt auch der Fuhrpark auf emissionsarme Antriebe umgestellt: Nach einzelnen Nutzfahrzeugen mit Hybrid- oder Elektromotor ersetzte der Flughafen seine Schlepperflotte für den Gepäck- und Frachttransport durch Modelle mit reinem E-Antrieb.

„Ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist uns gerade als Flughafen sehr wichtig“, so Geschäftsführer Dr. Michael Hupe. Daher sei die Anschaffung von E-Fahrzeugen nur folgerichtig. Die neue Flotte besteht zunächst aus sechs Schleppern mit je 28 Tonnen Zugleistung. Bei Auswahl und umfassenden Tests am Airport wurde der Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Qualität gerichtet.

Matthias Reubel, Leiter der Gepäckabfertigung am Airport, ist mit den neuen Fahrzeugen hochzufrieden: „Mit ihrer Agilität dank hohem Drehmoment und ihrer Wendigkeit übertreffen die Schlepper unsere Erwartungen. Wir sind stolz, als erster Flughafen eine komplette Flotte der neuen E-Schlepper-Generation in Betrieb nehmen zu können.“

Dr. Tobias Harzer, Leiter des Herstellers Jungheinrich (Vertriebszentrums Süd), erklärt: „Wir haben bei der Entwicklung unseres großen Elektroschleppers EZS 7280 besonderen Wert auf hohe Leistung bei gleichzeitig niedrigem Stromverbrauch gelegt. Dadurch, dass wir dem Flughafen Nürnberg Fahrzeuge, Batterien und Ladegeräte aus einer Hand liefern, erreichen wir eine Systemlösung mit maximaler Energieeffizienz für einen besonders nachhaltigen Einsatz.“

nachhaltige Luftfahrt

Die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung hatte der Airport bereits in den Vorjahren gestellt: So wurden Hangar-Dachflächen mit Solarmodulen bestückt. Zudem wurden die großen Parkhäuser und weite Bereiche des Terminals auf LED-Beleuchtung umgestellt, was zu einer erheblichen Stromeinsparung führt. Außerdem bezieht der Flughafen schon seit Jahren Wärme aus dem Hackschnitzelheizkraftwerk eines benachbarten Landwirtschaftsbetriebs.

Quelle: Flughafen Nürnberg


 

Hydrocracker – der finale Schritt zum PtL-Kerosin

Der Power-to-Liquid-Prozess ist komplex, gerade wenn es in Richtung des finalen Produkts, z.B. PtL-Kerosin geht. IASA informiert in ihrem Journal und in ihrem PtL-Newsletter über die Möglichkeiten und Herausforderungen rund um das Thema Power-to-Liquid für den Luftverkehr. Den IASA-PtL-Newsletter können Sie hier abonnieren: https://iasaev.org/de/newsletter/

Die nachfolgende Information zum Hydrocracking stammt aus einer Verfahrensbeschreibung, die wir mit der freundlichen Genehmigung von BP Europe SE hier wiedergeben.

Wertvolles Cracken: Aus schwer mach leicht

Die Destillation zerlegt das Rohöl in seine einzelnen Bestandteile, kann aber nur eine bestimmte Produktpalette erzeugen. Durch das Cracken kann die Produktion an Benzinen und/oder Dieselkraftstoff oder leichtem Heizöl vergrößert werden. Diese leichten Produkte sind im Markt gefragt.

Foto: BP Europe SE

Die Ausbeutestrukturen, d.h. das Verhältnis der einzelnen aus einem bestimmten Rohöl erzeugten Produkte zueinander, sind durch die Destillation nur in engen Grenzen veränderbar. Man benötigt zusätzliche Anlagen, in denen die weniger erwünschten schweren Bestandteile des Rohöls in leichtere umgewandelt werden können. Hier kommen die Crackprozesse ins Spiel. Sie sind für Raffinerien wichtige Methoden, um aus dem Destillat und dem Vakuumrückstand der Rohöldestillation noch mehr hochwertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl zu produzieren.

Man unterscheidet grundsätzlich drei Verfahrensarten beim Cracken: Thermisches Cracken, katalytisches Cracken und Hydrocracken.

Durch Hitze spalten: Thermisches Cracken

Beim thermischen Cracken wird der gewünschte Effekt durch Überhitzung der eingesetzten Destillationsrückstände unter Druck erreicht. Dieser Vorgang spielt sich in den Röhren eines Spaltofens ab. Temperatur – etwa 500 Grad Celsius – und Verweilzeit im Crackofen werden so gewählt, dass ein möglichst hoher Umwandlungs- oder Crackeffekt erreicht wird.

In der BP Raffinerie Lingen erfolgt das thermische Cracken in einem Coker. Die BP Raffinerie Gelsenkirchen verfügt neben einem Coker auch über eine Schwerölvergasungsanlage sowie einen Visbreaker, eine milde Form des thermischen Spaltens. Im Visbreaker werden die Rückstände aus der Vakuumdestillation leichtflüssiger. Dieses Verfahren wird somit angewandt, um die Zähflüssigkeit schwerer Öle zu senken.

Chemische Reaktionen fördern: Katalytisches Cracken

Im Gegensatz zum thermischen Verfahren werden die aufgespaltenen Fraktionen des Rohöls beim katalytischen Cracken mit einem Katalysator erhitzt. Dies sind Stoffe, die eine chemische Reaktion fördern, ohne sich zu verändern. Es gibt zwei katalytische Crack-Verfahren: Fluid-Catalytic-Cracken (FCC) und Hydrocracken (HC).

Beim FCC wird das schwere Vakuumdestillat einer Raffinerie zu leichteren Produkten gespalten. Die Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven verarbeitet einige Erzeugnisse des FCCs in dem Petrochemie-Komplex weiter. So wird beispielsweise FCC-C3 (Propan-Propen-Gemisch) in der Cumolanlage weiterverarbeitet.

In den FCC-Anlagen setzt sich beim Cracken außerdem Kohlenstoff in fester Form als Koks am Katalysator ab. Der Koks nimmt dem Katalysator seine Wirkung. Deshalb wird der Koks in einem nachgeschalteten Regenerator abgebrannt, so dass der Katalysator erneut verwendet werden kann.

Mit Hilfe des katalytischen Crackers wird nicht nur der Anteil von schwerem Heizöl vermindert, sondern auch gleichzeitig ein Teil des Schwefels entfernt, der im Einsatz enthalten war. Die Oktanzahl der Crackbenzine liegt bei 80 bis 85.

Power-to-Liquid

Grafik: BP Europe SE

Hydrocracker spaltet in Gegenwart von Wasserstoff

Beim Hydrocracken handelt es sich um ein katalytisches Spaltverfahren in Gegenwart von Wasserstoff bei einem Druck von 100 bis 150 Bar, das eine sehr weitgehende Umwandlung des Einsatzproduktes ermöglicht. Das Hydrocracken ist ein technisches elegantes und flexibles Konversionsverfahren.

Allerdings erfordert HC aufgrund der eingesetzten Mengen an Wasserstoff besondere Sicherheitsmaßnahmen. Denn Wasserstoff kann bei hohem Druck durch die Anlagenwände dringen. Daher sind hohe Investitionen in Stahlwände notwendig.

Doch dies lohnt sich: Das Hydrocracken hat den Vorteil, dass sich je nach Katalysator und Betriebsbedingungen die erwünschte Ausbeute in bestimmte Richtungen verschieben lässt. So kann man im Hydrocracker entweder fast überwiegend Benzin oder überwiegend Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl bei gleichzeitig geringem Benzinanteil gewinnen.

Der Hydrocracker der BP Raffinerie in Lingen verarbeitet rund 1,5 Millionen Tonnen Gasöl pro Jahr. Die HC-Anlage der BP Raffinerie in Gelsenkirchen kommt bei einer Verarbeitungskapazität von rund 8.000 Tonnen täglich auf rund 3 Millionen Tonnen Gasöl pro Jahr. Damit leisten die beiden Anlagen einen wertvollen Beitrag dazu, dass auch aus dem Destillat und dem Vakuumrückstand der Destillation Produkte für unseren Alltag entstehen.

Quelle: BP Europe SE

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