Lindbergh Innovation Forum

Nachhaltige Luftfahrt

Friedrichshafen, 12. April 2019

Elektromobilität in der (Allgemeinen) Luftfahrt

Im Rahmen der Luftfahrtmesse AERO fand am 11. April das Lindbergh Innovation Forum statt, das sich dem Thema Elektromobilität und Innovation in der Luftfahrt widmete. Die Veranstaltung wurde von Erik Lindbergh, Enkel des berühmten Luftfahrtpioniers Charles Lindbergh, moderiert.

Erik Lindbergh, der 2002 zum 75. Jahrestags des Erstfluges über den Atlantik durch seinen Großvater diesen Flug mit einem einmotorigen Flugzeug wiederholte, gab sich zuversichtlich, dass elektrisch betriebene Flugzeuge bereits in kurzer Zeit selbstverständlich sein werden. Er lud die Teilnehmer ein, sich bereits jetzt mit dem Jubiläumstermin anlässlich des hundertsten Jahrestags des Erstflugs vorzubereiten, der am 20./21. Mai 2027 gefeiert werden wird. Ideen dazu nimmt Erik gerne unter info@lindberghfoundation.org an.

Die zahlreichen Vorträge im Forum gingen von neuen Technologien, elektrische und hybrid-elektrische Antriebe für Flugzeuge über künstliche Intelligenz in der Luftfahrt bis zu aktuellen VTOL-Entwürfen (VTOL = Vertical Take-Off and Landing = Senkrechtstarter).

Nachhaltige Luftfahrt

Erik Lindbergh, Enkel des großen Luftfahrtpioniers

Zulassung offen

Thema der Veranstaltung war auch, wie autonome, elektrisch betriebene VTOLs genehmigungsrechtlich behandelt werden sollen und wie weit bereits der Zertifizierungsprozess hier gediehen ist. Zu letzterem Punkt gab es leider keine konkreten Aussagen, möglicherweise wird bei der Zertifizierung von autonomen Fluggerät Europa leider mal wieder abgehängt werden.

Dennoch war auch im Lindbergh Innovation Forum die Aufbruchstimmung zu spüren, die in der Luftfahrtbranche derzeit herrscht. Es ist keine Frage, dass elektrisch betriebene und insbesondere autonome Fluggeräte in naher Zukunft ganz selbstverständlicher Bestandteil unserer Mobilität sein werden.

Autor: Michael Wühle (IASA e.V)


 

Luftfracht: Daten zum Fliegen bringen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Größte Air-Cargo Messe der Welt

(PresseBox) (München, 18.03.19)

Künstliche Intelligenz durchdringt Luftfrachtkette

Mit dem Internet of Things suchen sich Sendungen selbst ihren Weg
Branchentreff air cargo Europe während transport logistic, 4. bis 7. Juni 2019, in München. 
Höhere Anforderungen an den Klimaschutz, die wachsende Bedeutung des Online-Handels sowie der Mangel an Fachkräften gehören zu den großen Herausforderungen der globalen Luftfrachtindustrie. Lösungsansätze bieten die Künstliche Intelligenz, weitere Automatisierung und das Internet of Things. Die Branche forscht aber auch an alternativen Antrieben.

Sie ist die größte Luftfrachtmesse der Welt: die air cargo Europe während der transport logistic in München. Mehr als 220 Unternehmen aus über 40 Ländern werden auf rund 15.000 Quadratmetern ausstellen. „Wir freuen uns, dass wir unter anderem mit Neutral Air Partner, WCA, Finnair Cargo, Antonov Airlines, Thai Airways und All Nippon Airways weitere wichtige Player der Luftfrachtbranche für die Messe gewonnen haben”, erklärt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München.

KI setzt sich unweigerlich durch

„Die Anwendung von KI ist die logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung in der Luftfracht“, erklärt Prof. Dr. Joachim Ehrenthal von der Fachhochschule Nordwestschweiz, Mitgestalter der offenen Diskussionsrunde „Artificial Intelligence: Next Level Air Cargo?“. Durch den „Austausch über konkrete Anwendungsfälle“ will Ehrenthal das Thema künstliche Intelligenz „auf den Boden bringen.“ KI wird bereits jetzt entlang der Luftfracht-Kette eingesetzt, etwa für Prognosen, optische Prozessüberwachung, die Fahrzeugwartung, das Packen von Behältern oder die Betrugserkennung.

Oftmals passen zu den Luftfracht-Anforderungen die Verfahren der ‚Computational Intelligence‘. Darunter werden von der Natur inspirierte Verfahren verstanden, wie zum Beispiel künstliche neuronale Netze und Schwarmintelligenz. Der Fokus liegt dabei immer auf Daten und deren automatisierter Nutzung. „Wir müssen die Daten zum Fliegen bringen: Das heißt, dass bestehende Datenfriedhöfe aktiviert und in betriebliche Entscheidungs-systeme verwandelt werden müssen“, fasst Ehrenthal zusammen.

Dr. Harald Sieke, Abteilungsleiter Luftverkehrslogistik vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), bestätigt diese Sichtweise: „KI wird entlang der gesamten Luftfrachttransportkette eingesetzt werden. Die aussichtsreichsten Möglichkeiten bestehen bei Buchung, Reservierung sowie beim Frachtaufbau für die Flugzeugladung.“ Es werde durch KI auch zu Verschiebungen im Markt kommen, da sich einzelne Player neu aufstellen und andere vom Markt verschwinden werden.

E-Commerce – auch international immer kleinteiliger
Ein weiterer Trend: Der stark wachsende Onlinehandel führt seit Jahren zu immer kleinteiligeren Sendungen bis hin zu Einzelstücken. „Diese Kleinteiligkeit wird vor allem im grenzüberschreitenden E-Commerce ansteigen, ein für die Luftfracht sehr wichtiges Segment“, prognostiziert Sieke. Zudem will der Kunde den Transport möglichst lückenlos verfolgen. Cargo iQ, eine Initiative der International Air Transport Association (IATA), will deshalb zur Prozesskontrolle, Qualitätsüberwachung und Serviceverbesserung beitragen. Emirates SkyCargo ist hier bereits seit März 2018 zertifiziert. „Wir interagieren proaktiv mit unseren Kunden über den Versandstatus“, sagt Nabil Sultan, Emirates Divisional Senior Vice President Cargo. „Wir überwachen rund um die Uhr die Transporte anhand festgelegter Meilensteine in Echtzeit und ergreifen bei Abweichungen oder Verspätungen Korrekturmaßnahmen.“
Automatisch bis selbst-navigierend
Der Fachkräftemangel beschleunigt zudem den Trend zu automatisierten Systemen sowohl beim Handling als auch beim Transport von Luftfracht. Gleichzeitig werden „bis zu fünf Prozent der Luftfracht durch 3-D- und 4-D-Druck überflüssig werden“, schätzt Sieke. Stelle man diese Zahl jedoch dem erwarteten jährlichen Wachstum der Luftfracht gegenüber, dann seien „die Effekte dieser Techniken als vernachlässigbar anzusehen“. Einen wesentlich größeren Einfluss wird hingegen das Internet of Things haben. „In Zukunft suchen sich die Sendungen selbst ihren Weg durch das Luftfrachtnetz“, meint der Wissenschaftler. In fünf bis zehn Jahren werde die aktuell intensive Forschung dazu in der Praxis spürbar sein.

Maßnahmen für den Klimaschutz

Zum Klimaschutz leistet die Luftfracht-Branche bereits heute einen vielfältigen Beitrag, von der Elektrifizierung des Bodenverkehrs bis hin zu Solaranlagen für die Bauten. Es gilt natürlich, die Nachhaltigkeit des Transportmittels Flugzeug insgesamt zu erhöhen. An diesem Ziel arbeitet zum Beispiel die europäische Clean Sky Joint Technology Initiative (JTI). Sie ist mit 1,6 Milliarden Euro das größte EU-Projekt für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrt in Europa. Ein großer Potenzialträger ist die Power-to-Liquid-Technologie, ein Verfahren zum Erzeugen klimaneutraler synthetischer Flüssigbrennstoffe. Gleiches gilt für das hybrid-elektrische Fliegen – Norwegen plant damit die emissionsfreie Luftfahrt bis zum Jahr 2040. Bis zum vollelektrischen Frachtflieger ist es dagegen aufgrund technischer Beschränkungen noch ein weiter Weg.
Quelle: PresseBox

Siemens: Extra 330LE fliegt

Weltrekord-Elektromotor absolviert Erstflug

 

München / Dinslaken, 04. Juli 2016: Erfolgreicher Jungfernflug: Erstmals fliegt ein Flugzeug der Zertifizierungs-Kategorie CS23 mit Permit-to-Fly rein-elektrisch. Der Siemens-Motor hat eine Leistung von 260 Kilowatt und ein Gewicht von nur 50 Kilogramm – damit verfügt er über ein Rekord-Leistungsgewicht.

Extra 330LE fliegt nahezu lautlos

Siemens-Forscher haben den neuartigen Elektromotor für Flugzeuge entwickelt, der fünfmal so viel elektrische Dauerleistung liefert wie vergleichbare Antriebe. Das Rekord-Antriebssystem hat am 4. Juli 2016 auf dem Flughafen Dinslaken Schwarze Heide seinen ersten Flug vor der Öffentlichkeit absolviert und dabei ein Kunstflugzeug vom Typ Extra 330LE nahezu lautlos angetrieben. Seinen Jungfernflug hatte der neue Antrieb bereits einige Tage zuvor, am 24. Juni 2016, bestritten. Damit werden hybride Elektroflugzeuge mit vier oder mehr Sitzen möglich.

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Technik wird in Kooperation mit Airbus eingebracht

“Heute ist ein Tag, der die Luftfahrt verändern wird”, sagt Frank Anton, Leiter eAircraft bei der zentralen Siemens-Forschung Corporate Technology. “Zum ersten Mal ist ein Elektroflugzeug in der Leistungsklasse von einem Viertel Megawatt geflogen.” Die rund 1.000 Kilogramm schwere Extra 330LE dient dabei als Erprobungsträger für den neuen Antrieb – als Kunstflugzeug eignet sie sich besonders dafür, die Komponenten an ihre Grenzen zu bringen, zu testen und weiterzuentwickeln.

Die Technologie wird Siemens zudem in seine Kooperation mit Airbus zum Elektrischen Fliegen einbringen, die beide Unternehmen im April 2016 vereinbart hatten. Elektrische Antriebe sind skalierbar – auf Basis des Rekord-Motors werden Siemens und Airbus hybrid-elektrische Regionalflugzeuge entwickeln. “Bis 2030 erwarten wir erste Maschinen mit bis zu 100 Passagieren und rund 1.000 Kilometern Reichweite”, erklärt Anton.

Russwurm: “Wir brauchen disruptive Ideen”

“Der Erstflug unseres Antriebssystems ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Elektrifizierung der Luftfahrt”, sagt Siemens-Technikvorstand Siegfried Russwurm. “Um diesen Weg weiter erfolgreich zu begehen, braucht es disruptive Ideen und Mut zum Risiko. Daher ist die Entwicklung elektrischer Antriebe für Luftfahrzeuge auch das erste Projekt unserer neuen Start-up-Organisation next47.” Siemens ist entschlossen, die hybrid-elektrischen Antriebssysteme für Luftfahrzeuge als künftiges Geschäft aufzubauen.

Extra 330LE

Erfolgreicher Jungfernflug: Erstmals fliegt ein Flugzeug der Zertifizierungs-Kategorie CS23 mit Permit-to-Fly rein-elektrisch. Der Siemens-Motor hat eine Leistung von 260 Kilowatt und ein Gewicht von nur 50 Kilogramm – damit verfügt er über ein Rekord-Leistungsgewicht.

Das Antriebssystem hat Siemens mit Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Deutschen Luftfahrtforschungsprogramms LuFo entwickelt. Die Extra 330LE ist in Zusammenarbeit von Siemens, Extra Aircraft, MT-Propeller und Pipistrel (Batterie) entstanden.

Extra 330LE ist in Zusammenarbeit von Siemens, Extra Aircraft, MT-Propeller und Pipistrel entstanden

Dipl.-Phys. Frank Anton, Leiter eAircraft im Hause Siemens, mit Firmengründer und Testpilot Walter Extra (links)

Quelle: Siemens