Global Alliance Powerfuels wirbt für mehr alternative Kraftstoffe im Luftverkehr

Power to Liquid Impulskampagne
PRESSEMITTEILUNG, MONTREAL/BERLIN

Wichtigster Schritt: weltweite Beimischungsquote von mindestens 2 Prozent / Vorreiternationen sollten zusätzliche Programme auflegen / Analyse informiert über Kosten und Maßnahmen

Positionspapier: Powerfuels in Aviation

Die Global Alliance Powerfuels – ein branchenübergreifender Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden – hat die Mitgliedstaaten der Zivilluftfahrtorganisation der Vereinten Nationen ICAO dazu aufgerufen, strombasierte, erneuerbare Kraftstoffe (Powerfuels) in den Fokus ihrer Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie zu rücken. Für den Einstieg sollte das Ziel sein, eine weltweite Quote zur Beimischung von Powerfuels in Höhe von mindestens 2 Prozent zu beschließen. Die Kosten dafür wären schon heute gut vertretbar. Der Preis für ein Flugticket würde sich entsprechend der Beimischungsquote erhöhen: bei einer Beimischung von 2 Prozent um 2 Prozent, bei 10 Prozent um 10 Prozent, bei 50 Prozent um 50 Prozent. Das zeigt eine Analyse, die die Global Alliance zur 40. Versammlung der ICAO im kanadischen Montreal veröffentlich hat.

Andreas Kuhlmann, Sprecher der Global Alliance Powerfuels und Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena): „Powerfuels sind der Schlüssel für den Klimaschutz im Luftverkehr. Die bisherigen Instrumente zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in diesem Sektor reichen bei weitem nicht aus. Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Sektoren ist nur ein Ausgleichsmechanismus und nachhaltige Biokraftstoffe sind für den Luftverkehr sehr begrenzt verfügbar. Deshalb sollte die ICAO Powerfuels in ihre Nachhaltigkeitsstrategie aufnehmen und zeitnah Beimischungsquoten einführen. Einzelne Staaten und Regionen sollten darüber hinaus aktiv werden, um die Entwicklung zu beschleunigen, zum Beispiel durch eigene Quotenregelungen und Anreizprogramme für Fluglinien, Flughäfen und Kraftstoffproduzenten. Die Bundesregierung sollte zum Beispiel die Gelegenheit nutzen, mit dem Klimaschutzprogramm 2030 die geplante Erhöhung der Luftverkehrssteuer für die Förderung der Produktion von Powerfuels-Flugkraftstoffen einzusetzen.“

Kosten überschaubar: 10 Prozent Beimischung bedeutet 10 Prozent höhere Flugpreise

Der Markt für Powerfuels steht noch am Anfang. Erste Projekte zum Aufbau der Powerfuels-Produktion für den Luftverkehr laufen zum Beispiel in den Niederlanden, in Norwegen und Deutschland. Wie die Analyse der Global Alliance zeigt, könnte der Markt durch eine regional oder sogar weltweit verpflichtende Beimischungsquote schnell wachsen. Der Preis pro Liter würde rasch abnehmen und könnte bis 2050 auf fast einen Euro sinken.

Selbst bei Kosten von 2,40 Euro pro Liter Powerfuels-Kerosin, die nach Schätzungen schon in naher Zukunft erreichbar wären, ließen sich die Emissionen spürbar senken, ohne dass Flugtickets erheblich teurer würden. Ein typischer Urlaubsflug von Berlin nach Mallorca kostet beispielsweise 145 Euro. Bei einer Beimischungsquote von 2 Prozent würde das Ticket 3 Euro teurer werden, bei einer Beimischungsquote von 10 Prozent 15 Euro. Ein Langstreckenflug von Berlin nach Peking für 525 Euro würde bei einem Powerfuels-Anteil von 2 Prozent 11 Euro teurer werden; bei einem Anteil von 10 Prozent 53 Euro.

Das CO2-Reduktionspotenzial von Powerfuels-Kerosin hängt stark davon ab, welcher Strommix und welche CO2-Quellen bei der Produktion zum Einsatz kommen. Nach sehr konservativen Schätzungen könnte es im Vergleich zu fossilem Kerosin etwa 75 Prozent betragen. Bei einer weltweiten Beimischungsquote von 2 Prozent könnten somit rund 14 Millionen Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden; bei einer Beimischungsquote von 10 Prozent rund 68 Millionen Tonnen CO2. Das wäre mehr als der jährliche Treibhausgasausstoß eines Landes wie Irland.

Rahmenbedingungen für Powerfuels schaffen

Die aktuellen Rahmenbedingungen in der internationalen Luftfahrt sind aus Sicht der Global Alliance nicht geeignet, effektive Anreize für den Einsatz von Powerfuels zu geben. Die ICAO hat den Reduktionsmechanismus CORSIA eingerichtet, der garantieren soll, dass die Emissionen im Luftverkehr ab 2020 nicht weiter steigen. Der Schwerpunkt liegt dabei aber auf der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Sektoren. Dieses Instrument könnte so weiterentwickelt werden, dass auch Investitionen in Powerfuels attraktiv werden. Die nächste ICAO-Konferenz zu alternativen Kraftstoffen im Luftverkehr sollte dafür die Grundlagen schaffen. Vorreiternationen sollten jedoch schon vorher aktiv werden.

Auf nationaler Ebene könnte ein Teil der Einnahmen aus Steuern und Abgaben im Luftverkehr für Powerfuels-Programme genutzt werden. Der europäische Emissionshandel bezieht zwar den Luftverkehr mit ein, aber bei einem Preis von unter 30 Euro pro Tonne CO2 entstehen für die Luftverkehrswirtschaft noch keine Anreize, in Powerfuels zu investieren. Schweden und Norwegen sind dabei, Beimischungsquoten für Bio-Kraftstoffe im Flugbenzin einzuführen. Solche Quotenregelugen sollten auf Powerfuels erweitert werden.

Die deutsche Regierung hat in ihrem neuen Klimapaket angekündigt, die Rahmenbedingungen für die Produktion von strombasierten Kraftstoffen zu verbessern. Zur Diskussion steht auch, die Einführung einer Quote für Powerfuels-Kerosin zu untersuchen. Die parallel angekündigte Anhebung der Luftverkehrssteuer sollte dann jedoch nicht ausschließlich für die Bahn, sondern auch für die Förderung erster Powerfuels-Kerosin-Anlagen genutzt werden. Zusammen mit den Bundesländern, der Industrie und den Gewerkschaften hat sich die Bundesregierung außerdem vorgenommen, eine industriepolitische Initiative für Powerfuels in der Europäischen Union auf den Weg zu bringen. So steht es im Leipziger Statement zur Zukunft der Luftfahrt, das die deutschen Stakeholder im August vorgelegt haben. Die Global Alliance unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich.

Die Analyse „Powerfuels in Aviation“ (auf Englisch) sowie weitere Informationen zur Global Alliance Powerfuels sind online zu finden unter www.powerfuels.org (auf Englisch).

Über die Global Alliance Powerfuels

Powerfuels sind gasförmige oder flüssige Kraft-, Brenn- und Grundstoffe, die mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarkraft erzeugt werden. Der Strom treibt einen Elektrolyseprozess an, mit dem aus Wasser Wasserstoff gewonnen wird. Der Wasserstoff kann entweder direkt genutzt oder zu Energieträgern weiterverarbeitet werden, die je nach Bedarf Gas oder Öl ersetzen, sei es als Kraftstoff im Verkehr, als Brennstoff zur Erzeugung von Wärme und Strom oder als Grundstoff in der chemischen Industrie. Bekannt sind die Umwandlungsverfahren unter Begriffen wie Power to Gas (Strom zu Gas) und Power to Liquid (Strom zu Flüssigkeit).

Die Global Alliance Powerfuels verfolgt das Ziel, einen globalen Markt für strombasierte Kraft- und Brennstoffe aus erneuerbaren Energien aufzubauen. Sie informiert über die Potenziale, gibt Empfehlungen zur Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen und stößt Pilotprojekte an. Gegründet wurde sie Ende 2018 von international agierenden Unternehmen und Verbänden aus den Branchen Energie und erneuerbare Energien, Fahrzeugwirtschaft und Luftfahrt, Chemie und Mineralöl sowie Maschinen- und Anlagenbau. Die dena koordiniert als Initiator die Aktivitäten der Global Alliance.

Quelle: dena


 

Energiewende braucht PowerFuels

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Statement von dena-Chef Andreas Kuhlmann zur Agora-Studie „Die zukünftigen Kosten strombasierter synthetischer Brennstoffe“ 

„Im Fokus der kommenden Jahre muss die Zielerreichung für 2030 stehen.“

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung

Ich freue mich, dass Agora-Energiewende und Agora-Verkehrswende die Notwendigkeit hervorheben, sich viel intensiver als bisher mit synthetischen Brennstoffen zu beschäftigen. Der Kreis derjenigen, die auf eine rein direktelektrische Nutzung von erneuerbarem Strom bauen, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, wird erfreulicherweise immer kleiner.

PowerFuels

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit gasförmigen und flüssigen Kraft- und Brennstoffen, die mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt werden. Sie können vielfältig eingesetzt werden: als Kraftstoff im Verkehr sowie zur Erzeugung von Wärme und Strom. Die Umwandlungsverfahren sind unter Begriffen wie Power to Gas (Strom zu Gas) und Power to Liquid (Strom zu Flüssigkeit) bekannt. Wir sprechen deshalb bei diesen synthetischen Kraft- und Brennstoffen auch von (Green) PowerFuels.

Insbesondere die Zwischenergebnisse der von rund 60 Stakeholdern getragenen dena-Leitstudie Integrierte Energiewende haben deutlich gemacht: Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, benötigen wir einen Mix unterschiedlicher Energieträger mitsamt ihrer Infrastrukturen. PowerFuels sind eine unabdingbare Voraussetzung für den Klimaschutz und für eine erfolgreiche integrierte Energiewende. In einer weiteren Studie haben wir die Potenziale für den europäischen Verkehrssektor untersucht. Demnach werden selbst in einem Szenario, das stark auf batterieelektrische Antriebe setzt, mehr als 70 Prozent des Endenergiebedarfs durch PowerFuels gedeckt, vor allem im Flug-, Schiff- und Güterverkehr. In einer Studie, die die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) und die dena gemeinsam mit Branchenverbänden erarbeitet haben, haben wir auch den Gebäudesektor genauer untersucht. Anders als die beiden Agora-Organisationen kommen wir zu dem Ergebnis, dass PowerFuels auch im Gebäudebereich eine wichtige Rolle spielen können. Die Energiewende im Gebäudesektor lässt sich bis 2050 am besten realisieren, wenn alle verfügbaren Effizienztechnologien wirtschaftlich eingesetzt und die Infrastrukturen für Strom, Gas und Öl effizient mit erneuerbaren Energieträgern genutzt werden.

Dass nun mehr und mehr Akteure zu ähnlichen Erkenntnissen kommen, liegt auch daran, dass eine integrierte und sektorübergreifende Betrachtung der Energiewende immer mehr in den Fokus der energie- und klimapolitischen Debatte rückt. Das ist gut so. Die Herausforderung besteht darin, die wachsende Zahl an Komponenten aus allen Sektoren unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Infrastrukturen aufeinander abzustimmen und in ein intelligentes und nachhaltiges Energiesystem zu integrieren. Um dahin zu kommen, müssen wir die gegenwärtigen politischen und regulatorischen Aktivitäten in den verschiedenen Sektoren und Märkten grundsätzlich überdenken.

Es zeigt sich, dass Transformationspfade, die stärker auf die Potenziale von PowerFuels setzen, zum Beispiel mit deutlich niedrigeren Sanierungsraten im Gebäudebereich auskommen. Sie erfordern auch weniger gesicherte Leistung in der Energieversorgung und führen möglicherweise zu einem deutlich günstigeren Netzausbau, insbesondere auf der Verteilnetzebene. Eine systemische Betrachtung kommt also zu anderen Ergebnissen als eine rein physikalische, die vor allem den Wirkungsgrad einzelner Technologien als entscheidendes Kriterium ansieht. Wie wichtig PowerFuels sind, zeigt schließlich auch die kürzlich von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gemeinsam vorgestellte Studie „‚Sektorkopplung‘ – Optionen für die nächste Phase der Energiewende“.

So eindeutig es bereits jetzt schon ist, dass die klimapolitischen Ziele ohne eine stärkere Befassung mit PowerFuels nicht zu erreichen sein werden: Es gibt nach wie vor eine ganze Reihe wichtiger Fragen zu klären. Um in diesen Fragen voranzukommen, brauchen wir stärkere Akzente in der Forschung, günstigere regulatorische Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Marktes für PowerFuels, vor allem aber auch einen intensiven internationalen Austausch. Denn allein mit den in Deutschland oder Europa erzeugten erneuerbaren Energien werden sich nicht ausreichend PowerFuels für Deutschland beziehungsweise Europa herstellen lassen. Die dena ist gegenwärtig dabei, einen solchen internationalen Austausch auf den Weg zu bringen und lädt Interessenten im In- und Ausland ein, sich daran zu beteiligen.

Agora-Studie

Agora-Energiewende und Agora-Verkehrswende haben mit ihrer Studie einen wichtigen Beitrag für die Debatte geliefert, auch wenn natürlich über einige Punkte weiter diskutiert werden muss. Unter anderem plädieren sie für einen Öl-/Gas-Ausstiegskonsens, um den Weg für synthetische Brennstoffe zu ebnen. Darauf muss man nicht warten. Deutschland wird sich in den kommenden Monaten intensiv mit der Erstellung eines Zeitplans zur Beendigung der Kohleverstromung befassen. In wenigen Jahren werden die letzten Kernkraftwerke vom Netz gehen. Die Versorgung mit Öl und Gas aus fossilen Quellen kann und muss Schritt für Schritt durch PowerFuels ergänzt werden. Hier die richtigen und attraktiven Akzente im Markt und bei der Forschung zu setzen, um die Potenziale weiter auszuloten, ist sicherlich vordringlicher als ein weiterer komplizierter Ausstiegsdialog.

Im Fokus der kommenden Jahre muss die Zielerreichung für das Jahr 2030 stehen. Das erfordert ein starkes Umdenken der bisherigen Energie- und Klimapolitik und vor allem auch einen innovationsfreundlichen Rahmen, in dem die verschiedenen Technologien ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

Immerhin: Im Koalitionsvertrag gibt es Ansätze für eine Weiterentwicklung von PowerFuels unter den Stichworten synthetische Kraftstoffe, Power to Gas, Wasserstoff und Power to Liquid. Darauf lässt sich aufbauen. Trotz aller bisherigen Restriktionen ist Deutschland Vorreiter in Sachen PowerFuels für eine integrierte Energiewende. Über 30 Pilot- und Demonstrationsanlagen sind bereits in Betrieb. Wir haben das richtige „Ecosystem“, um weitere Fortschritte zu machen. Ein Fortschritt bei PowerFuels hat also nicht nur eine unabdingbare klimapolitische Komponente. Es gibt auch eine Vielzahl industriepolitischer Aspekte, die dafür sprechen.

Quelle: Deutsche Energie-Agentur (dena)