Greener Skies Ahead 2019

Greener Skies Ahead 2019

Bonn, 20. November 2019

Der Luftfahrtverband IASA e.V. veranstaltete auch in diesem Jahr eine Konferenz aus der Reihe “GREENER SKIES AHEAD 2019” zum Themenbereich Nachhaltige Luftfahrt.

Die Veranstaltung fand diesmal im Wissenschaftszentrum Bonn statt und war mit circa achtzig Teilnehmern gut besucht. Nach Grußworten des Bonner Oberbürgermeisters Ashok Sridharan und des Köln/Bonner Flughafenchefs Johan Vanneste, die beide die Wichtigkeit einer nachhaltigen und damit klimafreundlichen Luftfahrt unterstrichen, startete der fachliche Teil der Konferenz.

Greener Skies Ahead 2019

Konferenz GREENER SKIES AHEAD 2019 im Wissenschaftszentrum Bonn

Der Vorstandsvorsitzende der IASA e.V., Rudolf Dörpinghaus, eröffnete dann die Konferenz und verwies auf das 10. Jubiläum der Konferenzreihe GREENER SKIES AHEAD und das 5-jährige Jubiläum der IASA in ihrem Bemühen, das Thema Power-to-Liquid nach vorne zu bringen.

War das Kürzel PtL im Jahr 2014 noch ein “Geheimcode”, den nur sehr wenige Menschen entschlüsseln konnten, so ist PtL heute in aller Munde so Dörpinghaus. Daran hat auch die IASA mit ihren Konferenzen, Artikeln und Projekten einen erheblichen Anteil wie der Redner betonte.

Als weitere erfreuliche Entwicklung nannte Rudolf Dörpinghaus den Aufbau der eigenen Nachwuchsorganisation IASA-Graduate, deren Mitglieder die Idee einer nachhaltigen Luftfahrt im Kreis akademischer Nachwuchskräfte verbreiten und verstärken.

Rudolf (Rolf) Dörpinghaus, President IASA e.V.

Die komplette Rede von Rudolf Dörpinghaus, “Sustainable Aviation – The Urgent Need for Transformation“, kann über die Homepage des Luftfahrtverbands heruntergeladen werden.

Transformation der Luftfahrt

Die Fachvorträge spannten den Bogen über die gegenwärtig drängendsten Probleme und Herausforderungen der Luftfahrt bei der Erfüllung der Klimaschutzziele der Branche und einer erfolgreichen Energiewende. Es gab Beiträge zu folgenden Themenblöcken:

  • PtL-Solutions / The State of the Art
  • Tackling CO2 in Air Transport
  • Sustainable Airports – Infrastructure and Services
  • Electro Hybrid Aircraft Solutions

Die Reihe der Fachvorträge wurde durch zwei Diskussionsrunden aufgelockert. Dabei ging es zum einen um die Frage wie PtL-Treibstoffe schnell und erfolgreich in den Markt gebracht werden können. Die andere Runde beschäftigte sich mit der Zukunft von elektro-hybriden Antrieben, die in der Luftfahrt zumindest eine Brückentechnologie darstellen werden.

Die Notwendigkeit zur Transformation der Luftfahrt in Richtung Nachhaltigkeit war das Leitthema der Konferenz. Die Fachvorträge und Diskussionen drehten sich dabei schwerpunktmäßig um die Frage, wie die Luftfahrt ihre Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen am schnellsten erreichen könne. Synthetische Treibstoffe aus Erneuerbaren Energien wie PtL-Kerosin, elektrische und hybride Antriebe für Flugzeuge als Alternative zu Verbrennungsmotoren und die Nutzung von CO2 als Rohstoff waren die Schwerpunkte.

Obwohl die Probleme und Herausforderungen nicht beschönigt wurden, zog sich doch als rote Linie die Erkenntnis durch die Veranstaltung, dass die technischen Probleme doch weitgehend gelöst sind und es “nur” darum gehe, nun endlich in die Praxis zu kommen.

Kopernikus P2X

Als Highlight des Vormittags wurde die Zusammenarbeit zwischen IASA e.V. und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Projekt Kopernikus P2X bekanntgegeben. Professor Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik (KIT) erläuterte zunächst das Projekt und die bisherigen Ergebnisse aus der ersten und nun abgeschlossenen Projektphase.

Kopernikus P2X

Partner im Projekt Kopernikus P2X
v.l.n.r. Rudolf Dörpinghaus, Michael Wühle (IASA), Roland Dittmeyer (KIT)

 

In den nun folgenden Phasen wird IASA als assoziierter Projektpartner das KIT dabei unterstützen, geeignete Standorte für PtL-Produktionsanlagen in Deutschland zu finden. Weiterhin besteht die Rolle der IASA auch darin, geeignete Industriepartner und Abnehmer des dann produzierten PtL-Kerosins an Bord zu holen. Die Zusammenarbeit besiegelten die Partner mit einem Letter-of-Intent (siehe Foto).

Nachhaltigkeit messbar machen

Der Veranstalter stellte in einem weiteren Vortrag auch das selbstentwickelte ICS-System zur Transformation von Unternehmen der Luftfahrt in Richtung Nachhaltigkeit vor. Das System IASA Certified Sustainability® macht den Grad der Nachhaltigkeit von Organisationen jeder Art sichtbar und vergleichbar.

Das mit dem System verbundene Gütesiegel bestätigt der jeweiligen Organisation, Nachhaltigkeitskriterien eingeführt zu haben und diese auch tatsächlich zu leben. Das zugrundeliegende Zertifizierungssystem orientiert sich an der DIN ISO 26000 „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“ und übernimmt daraus Empfehlungen, die für das Gütesiegel und seinem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung von Organisationen angepasst wurden.

Alle Vorträge der Konferenz stehen auf der Event-Seite der GSA19 zum Download zur Verfügung.

Quelle: IASA e.V.


 

Sustainable Aviation – The Urgent Need for Transformation

Rudolf (Rolf) Dörpinghaus
Rede zur Eröffnung der internationalen Fachkonferenz
GREENER SKIES AHEAD 2019

von Rudolf (Rolf) Doerpinghaus, Vorstandsvorsitzender IASA e.V.
Bonn, 19. November 2019

Es gilt das gesprochene Wort.

Rudolf (Rolf) Dörpinghaus, President IASA e.V.

Dear Mayor Limbach,
Dear Mr. Vanneste,
Most Distinguished Guests,
Ladies and Gentlemen,
Dear Friends and Members of IASA,

Welcome to the 10th GREENER SKIES AHEAD!

Thank you for joining us today!

It is an honor as well as a special pleasure to share this conference and the idea of sustainable aviation with you.

As a symposium for sustainability in aviation, GREENER SKIES AHEAD is already the conference with the longest tradition.

That’s why we are a little bit proud today!

As we have German and English speaking guests, I will use both languages.

Meine Damen und Herren,

es gibt noch ein zweites Jubiläum: Seit nunmehr fünf Jahren steht die GSA ganz im Zeichen erneuerbarer, klimafreundlicher bzw. vollsynthetischer Treibstoffe für die Luftfahrt, nachhaltig, umweltschonend, naturschützend und industriell hergestellt aus
 grünem Strom,
 Wasser und
 und dem Wertstoff CO2.

Dieses Power-to-Liquid – kurz PtL – genannte Verfahren wird von Beginn an dazu beitragen, den Luftverkehr klimafreundlicher zu machen und im Idealfall sogar einen quasi klimaneutralen Luftverkehr ermöglichen, nicht CO2-bedingte Klimaeffekte weitgehend eingeschlossen.

Als IASA sind wir stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, das Interesse an PtL in der Luftverkehrswirtschaft ebenso wie in der Politik zu wecken.

Dies belegt auch die PtL-Zielvereinbarung im Koalitionsvertrag dieser Bundesregierung, über die wir uns besonders gefreut haben.

Mit dem Aufbau unseres Chapters ‘IASA Graduate’ ist es uns zudem gelungen, die Idee eines nachhaltigen Luftverkehrs verstärkt im Kreis akademischer Nachwuchskräfte zu verankern. Auch darüber freuen wir uns sehr!

Meine Damen und Herren,

an dieser Stelle eine grundlegende Bemerkung zur Arbeit der IASA:

Als IASA betrachten wir die Luftfahrt stets als Ganzes.

Unser Thema ist das weltweite System Luftverkehr und nicht etwa ‘nur’ ‘klimafeundliche Treibstoffe’, so wichtig dies Thema auch ist!

Die GREENER SKIES AHEAD ist dabei die einzige Veranstaltung dieser Art, die das Thema Nachhaltigkeit im Luftverkehr ganzheitlich und im Sinne der drei Säulen der Nachhaltigkeit thematisiert.

Die GSA adressiert beispielsweise
 Airlines, Flugzeughalter und Flughäfen ebenso wie den
 Flugzeug- und Triebwerksbau, den
 Boden- und Flugbetrieb oder die
 Reise bzw. den Transport von und zum Flughafen.

Ziel ist die Förderung des fachlichen Dialogs wie auch die Information der interessierten Öffentlichkeit.

Vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels und der erforderlichen Nachhaltigkeit adressiert die IASA aktuell vor allem
 synthetische, PtL-basierte Treibstoffe,
 innovative Antriebe und die
 Verwendung erneuerbarer Energien.

Deshalb empfehle ich Ihnen auch ganz besonders den zweiten Teil dieser Konferenz, der sich mit
 neuen Flugzeugkonzepten sowie
 elektrischen bzw. elektrohybriden Antrieben befasst.

Ladies and Gentlemen,

Here and now, we do not need to talk about Climate Change!
 You know that 2016 was the warmest year for more than a century.
 You know that this year has brought again new warming records – including October 2019.
 You know that according to WMO, global warming is happening faster than predicted.
 You are aware of evermore record-setting high temperatures.
 You know the main reason for global warming is not CO2 itself, but the increasing concentration of CO2 in the atmosphere.

Likewise important:

Here and now, we also do not need to talk about the importance and the multiple benefits of aviation,
 from its significant contribution to the global GDP to its
 unique function as the one and only worldwide web that brings people around the globe face-to-face together.

According to the latest ICAO long-term forecast,
 the number of 4.1 billion airline passengers counted in 2017
 will grow to about 10 billion in 2040!

People fly, simply and mostly because they need to fly.

Because aviation
 offers the highest level of connectivity,
 is safe and reliable,
 supports all kinds of business,
 helps to increase wealth and prosperity globally,
 creates jobs and
 makes the world a better place.

But, aviation also contributes to climate change!

Today aviation is accounted for up 3 % of global CO2 emissions.

Even though this number seems small, the impact on climate change is taken very seriously!!

In addition, there are also significant non-CO2-related effects contributing to global warming, which are still subject to further research.

The good news: for nearly all of these climate damaging effects are technical solution availbable or at least in sight!

Ladies and Gentlemen,

This conference has a simple message: Climate-friendly, even climate neutral aviation is achievable!
 It cane be done!
 It has to be done!
 And the necessary transformation is urgent and
 has to be started immediatley!

Climate change is real. Also real are potential solutions, helping aviation to meet the requirements of the Paris Climate Agreement.

And these solutions are
 already availabe or
 at least within reach in a timely manner!

To be not misunderstood: The transformation of aviation is and it will be a long and challenging road! But for most climate-related problems, technical solutions are identified!

Meine Damen und Herren,

Im Klartext: Klimafreundlicher, im Idealfall sogar klimaneutraler Luftverkehr, ist weitestgehend möglich!
Das belegen gerade auch zahlreiche Beiträge zur heutigen Konferenz.

Klimafreundliche Lösungen in der Luftfahrt entstehen
 durch neues Denken,
 durch technische Innovation,
 durch entschlossenes Handeln,
 durch den Willen aller Beteiligten, verfügbare Technologien zu realisieren und beispielsweise PtL-Fuels bzw. sogenannte E-Fuels auch zeitnah am Markt einzuführen sowie insbesondere
 durch eine verbindliche Beimischungs-Quote von PtL-Fuels.

Klimafreundliche Lösungen in der Luftfahrt entstehen jedoch
nicht durch
 einseitige Verbote,
 willkürliche Beschränkungen,
 zusätzliche Steuern oder
 sonstige Gebühren, die den unterschiedlichsten Zwecken, selten jedoch dem direkten Klimaschutz in der Luftfahrt zu Gute kommen.

Ebenso klar ist:
 Die Zeit drängt!
 Wir haben keine (!) Zeit zu verlieren!

Das heißt aber auch:
 Es genügt nicht, den drohenden Klimawandel zu beklagen.
 Es hilft nicht, etwa die Luftverkehrssteuer zu erhöhen, wenn die Einnahmen nicht auch tatsächlich zur Verminderung der CO2-Emissionen des Luftverkehrs genutzt werden.
 Es hilft auch nicht, wenn Airlines und die Betreiber von Infrastruktur – wie etwa die Flughäfen und Flugplätze – durch immer neue Belastungen wirtschaftlich und im Wettbewerb geschwächt werden.
 Es hilft auch nicht, wenn ganze Regionen vom Luftverkehr quasi abgekoppelt und damit in ihrer Entwicklung benachteiligt werden.

Meine Damen und Herren,

wir brauchen einen kostruktiven Klimaschutz!
 Nur ein wirtschaftlich starkes, international konkurrenzfähiges Luftverkehrssystem kann die erheblichen Aufgaben und Investitionen schultern, die für die schnelle Transformation der Luftfahrt in eine klimafreundliche, post-fossile Zukunft erforderlich sind.
 Nur ein wirtschaftlich starkes, international konkurrenzfähiges Luftverkehrssystem kann Vorbild und Vorreiter eines weltweit klimafreundlichen Luftverkehrs werden!
 Nur ein wirtschaftlich starkes, international konkurrenzfähiges Luftverkehrssystem kann in Verbindung mit PtL zu neuen, insbesondere auch regionalen Wertschöpfungsketten führen und damit Arbeitsplätze schaffen, wo heute aus anderen Gründen Arbeitsplätze verloren gehen.

Meine Damen und Herren,

Alle reden vom Klima.

PtL ist kein Produkt des aktuellen Klima-Hypes.

Die chemische Basis für PtL, die Fischer-Tropsch-Synthese,
 wurde vor rund 100 Jahren entdeckt,
 bereits in früheren Jahrzehnten intensiv genutzt und
 in jüngster Zeit verfahrenstechnisch immer mehr verfeinert.

Aus heutiger Sicht ist PtL die ideale Vernüpfung
 des Notwendigen, nämlich Klimaschutz,
 mit dem technolgisch Machbaren, nämlich PtL,
 und den Erfordernissen des Marktes, nämlich einer prosperierenden, der Allgemeinheit und der Nachfrage dienenden Entwicklung des Luftverkehrs.

Wenn wir die Pariser Klimaziele erreichen wollen, dann müssen wir den Luftverkehr vor allem zielführend transformieren!

Dazu brauchen wir
 neue, PtL-basierte Treibstoffe – insbesondere für die weltweiten Bestandsflotten – und
 neue Antriebstechnologien, wo immer sie sich sinnvoll einsetzen lassen.

Den Luftverkehr national zu bekämpfen, ist keine Lösung.

Ideologie hilft nicht weiter.

Es gibt keine guten oder schlechten Verkehrsträger, sondern nur im jeweiligen Bedarfsfall geeignete oder weniger geeignete Verkehrsmittel!

Meine Damen und Herren,

Steuern und Gebühren zählen zu den wirkungsvollsten Lenkungsmaßnahmen eines Staates. Um so wichtiger ist es, dass diese Instrumente klug, umsichtig, verantwortungsvoll und vor allem zielführend eingesetzt werden.

Das gilt gerade auch für den Klimaschutz.

Blinder Aktivismus kann leicht zusätzlichen Schaden anrichten.

Die Wissenschaft belegt, dass die Erderwärmung in direktem Zusammenhang mit dem CO2-Anteil in der Atmosphäre steht.

Wenn das so ist, und daran besteht kein Zweifel,
 dann muss der besteuert werden, der den CO2-Anteil in der Atmosphäre durch die Zufuhr aus fossilen Energieträgern erhöht
 und nicht der, der mit Einführung eines PtL-gestützten CO2-Kreislaufs aktiven Klimaschutz betreibt!

PtL ist der Schlüssel für einen industriellen CO2-Kreislauf auf dem Treibstoffsektor.

Eine CO2-Besteuerung, die nicht an der Quelle des zusätzlich in die Atmosphäre eingebrachten Kohlenstoffs ansetzt, ist der falsche Weg.

CORSIA und das europäische ETS können daher nur erste Zwischenschritte sein.

Meine Damen und Herren,

Hysterie ist kein guter Ratgeber. Schon gar nicht, wenn man es mit hoch komplexen Systemen wie beim Klima oder auch beim Luftverkehr zu tun hat.

Warten, bis andere handeln, ist auch keine Lösung.

Es ist geradezu staatsbürgerliche Pflicht,
 die Gesellschaft von aktivistischen Schnellschüssen abzuhalten und
 zeitnah zu zielführendem, insbesondere nachhaltigem Handeln zu motivieren!

Ladies and Gentlemen,
 Don’t think small!
 Think sustainable!

Look always for the best possible solution –
 for the protection of the climate and the environment
and
 for the future of aviation!

Enjoy the conference!

Thank you!

Inbetriebnahme Power-to-Liquid Anlage Kopernikus-P2X

Power-to-Liquid

Karlsruhe, 7. November 2019

Kick-Off Kopernikus-Projekt P2X – Phase 2

Das Kopernikus-Projekt P2X dient der Erforschung, Validierung und Implementierung von “Power-to-X”-Konzepten. Ziel des Kopernikus-Projektes ist es, neuartige Technologien zu entwickeln, mit welchen unter Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom aus Wasser und CO2 stoffliche Energieträger und chemische Produkte für die Sektoren Verkehr und Chemie kostengünstig, zeitlich flexibel und auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse abgestimmt hergestellt werden. „Power-to-X“-Technologien stellen einen Lösungsansatz hin zu einer erfolgreichen flächendeckenden Sektorenkopplung unter Ausnutzung der P2X-Wertschöpfungsketten dar.

Power-to-Liquid

CO2-arme PtL-Treibstoffe sind einer der wichtigsten Faktoren hin zu einer klimaschonenden Luftfahrt und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Zur Zeit sind PtL-Fuels jedoch am Treibstoffmarkt nicht verfügbar. Umso mehr ist die zügige Entwicklung von PtL-Produktionsanlagen erforderlich. Das Kopernikus-Projekt P2X ist ein bedeutender Meilenstein am dem Weg dorthin.

Phase 1 – Konzeption

In der ersten Phase des Projekts wurde auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Campus Nord eine modulare P2X-Anlage auf der Basis eines 40-Zoll-Containers errichtet. Diese Anlage wurde nun am 7. November feierlich von den Projektbeteiligten in Betrieb genommen.

Die kompakte PtX-Anlage produziert aus dem Atmosphärengas Kohlendioxid (CO2), das mittels innovativer Technik aus der Umgebungsluft entnommen wird und aus intern durch Abwärme erzeugten Wasserdampf zunächst ein CO- und H2-haltiges Synthesegas mittels innovativer Hochtemperatur Co-Elektrolyse erzeugt. Anschließend erfolgt im Fischer-Tropsch-Reaktor die Umwandlung in Kohlenwasserstoffe aus denen schließlich die gewünschten synthetischen Treibstoffe destilliert werden.

 

PtX

PtX-Kompaktanlage der Phase 1 im KIT-Campus

Die PtX-Anlage der 1. Phase hat den Nachweis eindrucksvoll erbracht, dass es mit vorhandener Technologie möglich ist, klimaschonende synthetische Treibstoffe aus erneuerbaren Energiequellen dezentral zu gewinnen.

Damit ist das Tor weit geöffnet, weltweit dezentrale Produktionsanlagen für “grünen” Treibstoff insbesondere für die Luftfahrt zu errichten. Benötigt werden nur eine Quelle erneuerbarer Energien und Wasser. Die Atmosphäre steht dabei als aus menschlicher Sicht unerschöpfbare Quelle von CO2 zur Verfügung.

Aus dem klimaschädlichen Treibhausgas und Schadstoff CO2 wird somit ein wertvoller Rohstoff zur Treibstoffgewinnung, der in immer neuen Zyklen zur Verfügung steht.

 

PtX

Prof. Dr. Roland Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik am KIT

Die anwesenden Projektmitglieder, Pressevertreter und weitere Gäste konnten die PtX-Anlage persönlich in Augenschein nehmen. Prof. Dr. Dittmeyer, Mitglied im Lenkungskreis des Kopernikus-Projekts P2X erläuterte die Funktionsweise der Anlage und präsentierte Proben der bereits erzeugten PtL-Fuels.

Phase 2 – Optimierung

Nach erfolgreichem Abschluss der 1. Phase wird das P2X-Kopernikus-Projekt nun auf die nächste Entwicklungsebene gehoben. In Phase 2 soll die entwickelte Kompaktlösung auf eine PtL-Produktion von 200 Litern pro Tag hochskaliert werden (10 L/Tag in Phase 1). Die elektrische Anschlußleistung der Elektrolyse wird dabei bei 150kW liegen.

Diese Anlage kombiniert in größerem Maßstab wie bisher in Phase 1 die CO2-Gewinnung aus der Luft (Climeworks), die sogenannte Hochtemperatur Ko-Elektrolyse (Sunfire) zur Synthesegasherstellung, die anschließende Umwandlung des Synthesegases in flüssige Kraftstoffe (Ineratec) mit nachgeschaltetem Hydrocracking und Auftrennung in die unterschiedlichen Produkte, u.a. Kerosin Jet A1 (KIT IMVT).

Ziel ist es in dieser Phase 2, den Prototyp für ein effizientes, wärmeintegriertes und flexibles Verfahren zur dezentralen Kraftstoffsynthese, je nach Wunsch entweder Diesel oder Kerosin, aus erneuerbarem Strom und CO2 zu entwickeln. Der Wirkungsgrad soll dabei deutlich über 60% liegen. Die entsprechende PtX-Produktionsanlage wird wie in Phase 1 auf dem KIT-Campus errichtet. Auf dem als “Energy Lab 2.0” bezeichneten Areal wird ab sofort gebaut und einzelne Teilsysteme in Betrieb genommen. Die Entwicklungs- und Testphase dieser PtX-Anlage läuft bis Ende 2022.

Die Projektteilnehmer wurden am zweiten Tag der Veranstaltung im Rahmen eines Kick-Off-Meetings mit dem Fahrplan der 2. Phase vertraut gemacht. Daneben gab es Fachvorträge der Industriepartner Climeworks, Sunfire und Ineratec. Bereits im Januar wird das nächste Treffen der Projektbeteiligten stattfinden. Die Entschlossenheit der Teilnehmer, das Projekt sehr zügig anzugehen und die Überzeugung, ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen war deutlich zu spüren. Es lag Pioniergeist in der Luft.

Phase 3 – Demonstration

Um bereits in Phase 2 möglichst konkret werden zu können, werden Szenarien für den praktischen Einsatz von PtL-Produktionsanlagen insbesondere auch für die Luftfahrt untersucht. Hier tritt der Luftfahrtverband IASA e.V. auf den Plan. Die Luftfahrtexperten des gemeinnützigen Vereins werden geeignete Investoren und potenzielle Betreiber von kommerziellen PtL-Produktionsanlagen in Deutschland aus ihrem Netzwerk ansprechen und für das Projekt gewinnen. Im gleichen Zug wird IASA auch potenzielle Abnehmer des synthetischen Kerosins ansprechen. Sowohl die Business-Aviation als auch die kommerzielle Luftfahrt sollen so früh wie möglich gewonnen werden, um sich dann an der Demostrationsphase spätestens ab dem Jahr 2023 aktiv zu beteiligen.

Michael Wühle, IASA e.V.


Die International Association for Sustainable Aviation e.V. (IASA) setzt sich seit 2014 für den Einsatz von Power-to-Liquid-Treibstoffen in der internationalen Luftfahrt ein und betreibt hierzu eigene Projekte und Aktivitäten. Die IASA-Jahreskonferenz GREENER SKIES AHEAD am 19. November 2019 im Bonner Wissenschaftszentrtum steht auch in diesem Jahr im Fokus von PtL-Treibstoffen für eine nachhaltige Luftfahrt. Interessierte können sich noch unter www.iasaev.org oder über https://www.xing.com/events/greener-skies-ahead-gsa-2019-2053420 für die Konferenz anmelden.

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