Lithium-Schwefel-Batterien für die Luftfahrt

IASA e.V. - nachhaltige Luftfahrt

LiMeS-Konsortium entwickelt Produktionsprozess für Hauptkomponente verschiedener Batterietypen

Batteriesysteme gewinnen auch in der Luftfahrt immer mehr an Bedeutung – nicht in erster Linie für die Energieversorgung des Antriebs, sondern als Energielieferant für Hilfssysteme. Denn ebenso wie die Flotten der Automobil- hersteller müssen auch die Flugzeuge zukünftig weniger CO2-Ausstoß bei glei- cher Leistung bieten. In einem neuen Projekt werden Komponenten für leichte Hochleistungsbatterien auf Li-Schwefel-Basis entwickelt.

Auch vor dem Fliegen macht die Elektrifizierung nicht halt. Kleine und große Flugzeuge werden mit elektrischen Antrieben entwickelt. Das können voll-elektrische oder hybrid- elektrische Antriebssysteme sein. Diese machen dann Sinn, wenn sie lokal Emissionen vermeiden, Energie in Flugphasen mit Bedarfsspitzen zur Verfügung stellen oder wenn sie Nebenaggregate genau dann mit Strom versorgen, wenn dieser benötigt wird. Dafür sind leichte und möglichst leistungsfähige Batterien notwendig. Für die Luftfahrt gelten nicht die starken Kostenbeschränkungen wie in der Automobilindustrie.

Geringes Gewicht bei hoher Energiedichte

Lithium-Schwefel-(Li-S-)Batterien besitzen das Potenzial für den Bau von Batteriesyste- men mit hoher Energiedichte und gleichzeitig geringem Gewicht. In ihnen sind keine schweren Metalle in der Kathode enthalten wie bei Lithium-Ionen-(Li-Ionen-)Batterien. Allerdings sind Li-S-Batterien heute noch nicht so ausgereift wie Li-Ionen-Batterien, insbesondere hinsichtlich der Zyklenfestigkeit.

Ein Konsortium unter Leitung von Airbus nimmt sich nun den Herausfor- derungen der Weiterentwicklung und Optimierung von Li-S-Batterien fürdie Luftfahrt an. Auf Basis von Anforderungen und Lastprofilen, wie sie bei Airbus auch für andere Entwicklungen genutzt werden, wollen die Forscher den Entwicklungsstand der Li-S-Batterietechnologie vorantreiben.

Neben der Verbesserung der Kathode aus Schwefel und Kohlenstoff mit Hilfe neuer Verarbeitungsverfahren und der Erprobung von Hybridsystemenfür den Elektrolyt – also der Mischung von Flüssig- und Fest-Elektrolyt – ist die Herstellung der Lithium-Metall-Anode durch einen neuen, elektro- chemischen Prozess eines der Kernthemen des Projekts.

Optimierte Lithiumbeschichtung durch elektrochemischen Prozess

Bisher werden Li-Metall-Anoden, die außer in Li-S-Batterien auch in einigen Typen von Li-Ionen-Batterien sowie in Festkörperbatterien eingesetzt werden, mit Hilfe von ge- walzten Li-Folien hergestellt. Diese können heute jedoch nicht viel dünner als 30 Mikro- meter hergestellt werden, denn Lithiummetall neigt dazu, an anderen Oberflächen zu kleben. Deswegen muss eine gewisse Dicke für eine minimale mechanische Stabilität gegeben sein. Weil 30 Mikrometer jedoch oft mehr sind, als die Zelle elektrochemisch benötigt, schleppen diese Zellen unnötiges Gewicht und unnötige Kosten mit.

Um dies zu ändern, arbeitet die Abteilung Galvanotechnik des Fraunhofer IPA an einem elektrochemischen Prozess, mit dem beliebig starke Lithiumschichten in einem Schritt auf Metallfolien aufgebracht werden können. Ein solcher Prozess bietet die Möglich- keit, genau die Menge an Lithium auf die Elektrode zu bringen, die technisch benötigt wird. Außerdem können nicht nur glatte, sondern auch strukturierte Elektrodenfolienbeschichtet werden.

IASA e.V. - nachhaltige Luftfahrt

Neue elektrochemische Prozesse zur Abscheidung von Lithiummetall für Batterieanoden in Schutzatmosphäre. Quelle: Fraunhofer IPA, Foto: Rainer Bez

Mit dieser Entwicklung erweitert das Fraunhofer IPA die Palette an Produktionsprozes- sen für eine Hauptkomponente von verschiedenen Batterietypen und hilft, zukünftig Kosten und Ressourcen bei der Batteriezellfertigung einzusparen. Elektrochemisch basierte Abscheide- oder Applikationsprozesse haben das Potenzial, bei Umgebungs- bedingungen technologisch wichtige Metallschichten zu erzeugen, die sonst nur durch sehr aufwendige Verfahren herstellbar sind.

Quelle: Fraunhofer IPA

Flugscham? Fliegen ist in!

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Alle reden vom Klima. Und fliegen weiter. Bis 2040 wird sich die Zahl der Flugpassagiere mehr als verdoppeln. Die neue Herausforderung heißt: Schadensbegrenzung.

Klimawandel. CO2-Einsparung. Greta im Zug. Und dann das: In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Flugzeugpassagiere mehr als verdoppeln, von rund vier Milliarden im Jahr 2016 auf über 9,4 Milliarden 2040. Gleichsam wird die Zahl der Flüge von 35,5 auf etwa 53 Millionen ansteigen. Das zumindest prognostiziert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem weltweit erstmaligen globalen Prognosemodell.

Für das Modell haben die Forscher die Entwicklung von Passagierzahlen, Flotten und Flugbewegungen analysiert sowie Prognosen zum Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum herangezogen. Das Neue an ihrem Ansatz: “Wir berücksichtigen die verfügbaren Flughafenkapazitäten, wie sie heute sind und sich möglicherweise in Zukunft entwickeln.”, so Hauptautor Marc Gelhausen. “Das hat Rückwirkungen auf die Passagiernachfrage, auf die Flotten- und Flugbewegungsentwicklung.”

Infografik weltweites Passagieraufkommen

Sechs der zehn am stärksten betroffenen Flughäfen in Asien

Treffen ihre Vorhersagen zu, wird es aufgrund der erhöhten Nachfrage an Flughäfen bald zu massiven Kapazitätsengpässen kommen. Einerseits in europäischen und amerikanischen Hubs wie London Heathrow und Atlanta, aufgrund steigender Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahlen maßgeblich aber auch in asiatischen Ballungszonen China, Indonesien und Indien. Das steigende Passagiervolumen könne in Zukunft nur durch eine Anpassung der Flugzeuggröße bewältigt werden. Für 2040 prognostizieren die Autoren eine Kapazitätserhöhung von 111 auf 179 Passagieren pro Maschine.

Was bedeutet das in Zeiten der sogenannten Flugscham? “Wenn mehr Menschen in ein- und demselben Flugzeug sitzen, ist das grundsätzlich erst mal effizienter bezüglich der Pro-Kopf-Emissionen”, sagt Ralf Berghof, stellvertretender Institutsleiter und Abteilungsleiter Luftverkehr, “aber es erhöht sich auf der anderen Seite auch das Gewicht des Flugzeugs und damit auch der Verbrauch.” Dem Optimum zwischen Auslastung und CO2-Ausstoß wollen die Forscher in einer nun initiierten weiteren Studie auf den Grund gehen.

Immanentes Wachstum

“Es ist nicht Neues, dass der Luftverkehr wächst.”, meint Rudolf Dörpinghaus, Präsident der International Asscociation for sustainable Aviation (IASA). “Der Luftverkehr ist eigentlich seit der Entwicklung des kommerziellen Luftverkehrs eine Wachstumsindustrie gewesen. Wachstum ist ein Kernelement des modernen Luftverkehrs.” Die neue Herausforderung bestünde vielmehr darin, den Luftverkehr klimafreundlich beziehungsweise perspektivisch klimaneutral zu gestalten.

Handlungsbedarf und -möglichkeiten gäbe es entlang der gesamten Transportkette, also während des Fluges, aber auch davor und danach auf dem Boden. An erster Stelle komme es darauf an, dem Luftverkehr die Möglichkeit zu geben, in neue Technologie zu investieren: “Mit jeder Flugzeug-Generation, die wir haben, sinkt der Kraftstoffverbrauch in der Größenordnung zehn bis fünfzehn Prozent pro Passagier-Kilometer.” Viele Airlines seien jedoch nicht in der Lage, immer wieder das neueste Fluggerät zu besitzen.

Synthetisches Kerosin als Hoffnungsträger

Enormes Potential sieht Dörpinghaus in der Substitution des fossilen Kerosins durch synthetische Kraftstoffe: “Die Technik ist da, man muss sie wirklich nur umsetzen.” Gemeint ist Power-to-Liquid (PtL), die Herstellung von Kerosin aus erneuerbarem Strom und CO2. Dies allerdings erfordere eine globale Zusammenarbeit, da fossiles Kerosin derzeit viel preiswerter sei als PtL-Sprit, ein Todesurteil im weltweiten Wettbewerb. Gäbe man dem Verfahren eine Chance und führte beispielsweise eine verbindliche Quote ein, wäre PtL in fünf bis zehn Jahren marktfähig, so Dörpinghaus’ Prognose.

Notwendig, da sind sich die Akteure einig, ist eine internationale Gesetzgebung. Eine solche versucht die UN-Luftfahrtsorganisation ICAO mit ihrem Konzept “CORSIA” (“Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation”). In diesem haben sich Fluggesellschaften, Flughäfen, Hersteller und Flugsicherungen darauf geeinigt, dass das Wachstum der internationalen Luftfahrt ab 2020 CO2-neutral erfolgen soll. Erreicht werden soll dies durch Investitionen in CO2-senkende Klimaschutzprojekte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), der ökologische Verkehrsclub (VCD), Germanwatch, der Naturschutzbund Nabu und der Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) kritisieren “Corsia” jedoch als “reine Augenwischerei und völlig unzureichend.”

Quelle: Deutsche Welle, Autorin: Anna Carthaus

Airbus investiert mit Amprius in den Marktführer für Batterietechnologie mit hoher Energiedichte

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

  Strategische Investition von Airbus Defence and Space in Amprius, Inc.

  Neue Generation von Lithium-Ionen-Batterien mit Silizium-Nanodraht-Anode

  Ausbau der Produktion zur Deckung kurzfristigen Bedarfs im Zephyr-Programm

München, 31. Oktober 2019 – Airbus Defence and Space ist eine Partnerschaft mit den Kapitalgebern des US-amerikanischen Batterieherstellers Amprius eingegangen. Die Finanzierung dient dazu, die Entwicklung moderner Batteriespeicher mit Silizium-Nanodraht- Anoden-Technologie voranzutreiben.

Die Beteiligung von Airbus Defence and Space soll den Ausbau der Produktionskapazität fördern und Batterien mit höherer Energiedichte für Luftfahrtinnovationsprogramme von Airbus Defence and Space wie dem hoch fliegenden Pseudosatelliten (HAPS) Zephyr und Urban Air Mobility bereitstellen.

„Diese Partnerschaft stärkt die Verbindung zweier Marktführer und führt die neueste Batteriegeneration auf dem Markt mit dem fortschrittlichsten HAPS-Programm zusammen. Zephyr ist derzeit der einzige vollständig solarbetriebene HAPS, der in der Stratosphäre in einer durchschnittlichen Flughöhe von 70.000 Fuß (21 Kilometern) betrieben wird. Er stellt persistente satellitenähnliche Dienste auf lokaler Ebene bereit und deckt ein breites Spektrum von Anwendungen und Aufgabenstellungen ab“, erklärt Jana Rosenmann, Head of Unmanned Aerial Systems bei Airbus.

Amprius brachte 2013 als erster Hersteller Lithium-Ionen-Batterien mit 100% Silizium- Anoden auf den Markt und produziert handelsübliche Batterien mit der branchenweit höchsten Energiedichte. Zu den Produkt- und Technologieplattformen des Unternehmens gehören vollständig aus Silizium bestehende Nanodraht-Anoden, Silizium-Graphit-Anoden, lithiumreiche Kathoden und speziell für Silizium ausgelegte Hochspannungselektrolyte.

„Wir freuen uns sehr, mit Airbus zusammenzuarbeiten und Batterien für das Zephyr- Programm zu liefern“, so Jon Bornstein, COO von Amprius. „Der Einbau der Lithium-Ionen- Batterien mit vollständig aus Silizium bestehender Nanodraht-Anode von Amprius in die Zephyr-Plattform ist eine wichtige Bestätigung dieser Technologie. Auch die Entwicklung von Hochenergiezellen für Urban Air Mobility eröffnet spannende Möglichkeiten für die Erschließung neuer Märkte in der Luftfahrt.“

Amprius-Batteriesysteme mit hoher Energiedichte eignen sich für Smartphones, Wearables, Drohnen, Roboter, Luftfahrzeuge, elektrische Transportmittel und militärische Ausrüstung.

Zephyr ist das weltweit führende solargetriebene unbemannte Fluggerät in der Stratosphäre. Es wird sowohl militärischen als auch zivilen Kunden neue optische, sensorische und kommunikative Möglichkeiten bieten. Zephyr besitzt das Potenzial, das Katastrophenmanagement zu revolutionieren, unter anderem durch die Überwachung der Ausbreitung von Waldbränden oder Ölteppichen. Es ermöglicht nicht nur eine konstante Überwachung ökologischer Veränderungen, sondern auch die Kommunikation mit den entlegensten Teilen der Erde.

Für den nötigen Antrieb sorgt modernste Batterietechnik. Sowohl die zusätzliche Produktionskapazität bei Batterien der neuen Generation als auch die Forschung an künftigen Batteriekonzepten werden dem Zephyr-Programm und seiner marktführenden Position zugutekommen.

Über das Airbus-Programm Zephyr

Eigentliches Ziel des Zephyr-Systems ist es, persistente Dienste kostengünstig auf lokaler Ebene mithilfe eines wiederverwendbaren, solarelektrisch betriebenen Flugzeugs anzubieten und dabei eine breite Anwendungspalette abzudecken: etwa die Meeresüberwachung und dazugehörige Einsätze, Grenzschutzmissionen, Kommunikation, Lokalisierung und Überwachung von Waldbränden oder Navigation. Die in der Stratosphäre in einer durchschnittlichen Flughöhe von 70.000 Fuß bzw. 21 Kilometern betriebene Ultraleichtdrohne Zephyr wiegt bei einer Spannweite von 25 Metern kaum 75 Kilogramm. Sie fliegt über dem Wetter (Wolken, Strahlströme) und dem normalen Luftverkehr und soll gezielt für lokale oder regionale Missionen eingesetzt werden.
Zephyr besitzt die Fähigkeit, sich konkret auf ein bestimmtes Zielgebiet (das Hunderte Meilen umfassen kann) zu konzentrieren und ist daher ideal für lokale ISR-Missionen (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance – Informationsgewinnung, Überwachung und Aufklärung) mit hoher Persistenz geeignet. Dabei bietet es, ähnlich einem Satelliten (jedoch mit höherer Bildkörnigkeit), Kommunikations- und Erdbeobachtungsdienste über lange Zeiträume und ohne jede Unterbrechung. Das Zephyr-System ist kein reines Flugzeug und kein reiner Satellit, besitzt jedoch Merkmale von beidem, indem es die Persistenz eines Satelliten und die Flexibilität einer Drohne in sich vereint. Das einzige Zivilflugzeug, das in dieser Höhe geflogen ist, war die Concorde; ansonsten können nur die militärischen Aufklärer U-2 und SR-71 „Blackbird“ in vergleichbaren Höhen eingesetzt werden. Zephyr hat mehrere Weltrekorde aufgestellt, unter anderem im Jahr 2018 für die längste Flugdauer ohne Betankung. Bei seinem Erstflug blieb der Zephyr S, das erste Produktionsmodell des Luftfahrzeugs, mehr als 25 Tage in der Luft und erreichte dabei Flughöhen von über 21 Kilometern.

Quelle: Airbus

Aviationscouts GmbH setzt auf Nachhaltigkeit und beteiligt sich an Bag to Life

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

(PresseBox) (Lichtenfels, )

Aviationscouts GmbH ist zusammen mit Thomas Machalke seit Januar 2019 an Bag to Life beteiligt, der mehrfach ausgezeichneten Upcycling-Marke der Ehrensache D/V GmbH & Co. KG.

Ein gutes Netzwerk ist das A und O. Vor drei Jahren hat Thomas Bulirsch, Geschäftsführer der Aviationscouts GmbH, Kerstin Rank, Gründerin von Bag to Life, bei einer Veranstaltung kennengelernt und viele Gemeinsamkeiten in der Geschäftsidee rund um Recycling und Upcycling festgestellt.

Bag to Life wurde 2010 von Kerstin Rank in Bayreuth gegründet. Von Beginn an designte sie Taschen und Accessoires aus hocheffizienten Materialien der Luftfahrt und entwickelte den Fertigungskreislauf, den alle entsorgten Rettungswesten bei Bag to Life durchlaufen. 75.000 Rettungswesten wurden seit dem Launch vor der Entsorgung gerettet und somit 130 Tonnen Müll vermieden.

Im Zuge des Mit-Gesellschafter-Wechsels haben sich Aviationscouts GmbH und Ehrensache D/V GmbH & Co. KG geschäftlich verbunden. Im Januar 2019 fand der Umzug von Bayreuth in die Geschäftsräume der Aviationscouts GmbH nach Lichtenfels statt. Am Standort Lichtenfels entsteht so ein konstant wachsender Hotspot der Luftfahrt-Kompetenz. Bestehende Synergien können genutzt werden, wie das rund 3.500 Quadratmeter große Lager und Flächen für Verwaltung, Produktion und Logistik. „Hier gibt es Strukturen, von denen wir profitieren – angefangen bei gemeinsamen Messeauftritten und Marketing, beim Einkauf, den Materialflüssen und den Lieferanten“, sagt Kerstin Rank.

Für die Öffentlichkeit bietet Bag to Life am Samstag, den 14.12.2019 einen Tag der offenen Tür in Form eines vorweihnachtlichen „Xmas Outlet Sales“. Von 11 bis 17 Uhr können sich alle Interessierten neben einer Vorführung der Bag to Life Taschen und Accessoires auch selbst einen Einblick in die Firma und deren Nachhaltigkeitskonzept verschaffen.

„Ab 2020 sollen über das Taschensegment hinaus neue Produktlinien auf den Markt gebracht werden“ so Thomas Bulirsch. „Hier führen wir gerade unsere Expertisen zusammen und kreieren neue Produktwelten. Wir gehen als Vorbild voraus und zeigen neue Möglichkeiten auf, die wiederum eine Vielzahl an Zielgruppen bedienen und vor allem einen verantwortungsvollen Weg im Produktzyklus aufzeigen. Die Rettungsweste fliegt bis zu 10 Jahre unter dem Sitz und erlebt so viele Abenteuer bei Ihren Weltumrundungen. Die Kunden dürfen gespannt sein auf unsere neuen Ideen! Konkrete Entwürfe gibt es im ersten Halbjahr 2020 zu sehen,“ sagt Thomas Bulirsch.

Kerstin Rank wurde am 29.10.2019 mit dem BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken ausgezeichnet. Dieser Award wird selbständigen Frauen aus der Region überreicht, die durch ihre Ideen und Ansätze die tägliche Arbeit in der heimischen Wirtschaft verändert haben und somit ein Vorbild für andere sind. Der BVMW Unternehmerinnen Award 2019 Oberfranken stellt inspirierende Frauen aus der oberfränkischen Region vor und macht ihre Leistungen sichtbarer.

Die Entstehungsgeschichte von Bag to Life

Als eine Flugbegleiterin die Sicherheitsvorkehrung auf einem Urlaubsflug demonstrierte, traf es Kerstin Rank wie ein Blitz.

Begeistert von Material, Form und Farbe war klar: Kerstin möchte daraus Taschen anfertigen.

Dieses Ereignis im Jahr 2009 war die Geburtsstunde von „Bag to Life“ – ein englisches Wortspiel, dass zu Deutsch „Zurück ins Leben“ sinngemäß widerspiegeln soll.

Die Idee ist so simpel wie genial. Ausrangierte Rettungswesten und Flugzeugsitzbezüge bekommen ein zweites Leben als Tasche oder Accessoire. Sie designte aus High-Tech-Materialien der Luftfahrt – deren Haltbarkeit abgelaufen ist – einzigartige Produkte, die die Herzen höher schlagen lassen und auf eindrucksvolle Weise zeigen, wie die Welt durch Kreativität grüner und nachhaltiger gestaltet werden kann.

Rettungswesten und weitere Originalmaterialien der Flugzeugindustrie müssen aus Sicherheitsgründen nach einer bestimmten Zeitspanne ausgetauscht werden. Diese Hightech-Stoffe entsprechen in ihren Standards den höchsten Normen, denn nur das funktionellste und leichteste Grundmaterial findet in Flugzeugen Verwendung. Dabei sind diese Komponenten so hochwertig, dass sie in einem zweiten Leben als Tasche ihrem Träger die Vorteile der Flugzeugindustrie nahebringen.

Die Kollektion ist speziell für die Bedürfnisse von Vielfliegern und Reisebegeisterten entwickelt und designt. „Wir wollen Zielgruppen mehr für Nachhaltigkeit öffnen, indem wir ihnen nicht mit erhobenem Zeigefinger begegnen“, sagt Kerstin Rank. „Wir möchten einfach ein gut designtes Produkt mit hoher Funktionalität verkaufen“, fährt sie fort.

Quelle: PresseBox

Luftfracht: Daten zum Fliegen bringen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Größte Air-Cargo Messe der Welt

(PresseBox) (München, 18.03.19)

Künstliche Intelligenz durchdringt Luftfrachtkette

Mit dem Internet of Things suchen sich Sendungen selbst ihren Weg
Branchentreff air cargo Europe während transport logistic, 4. bis 7. Juni 2019, in München. 
Höhere Anforderungen an den Klimaschutz, die wachsende Bedeutung des Online-Handels sowie der Mangel an Fachkräften gehören zu den großen Herausforderungen der globalen Luftfrachtindustrie. Lösungsansätze bieten die Künstliche Intelligenz, weitere Automatisierung und das Internet of Things. Die Branche forscht aber auch an alternativen Antrieben.

Sie ist die größte Luftfrachtmesse der Welt: die air cargo Europe während der transport logistic in München. Mehr als 220 Unternehmen aus über 40 Ländern werden auf rund 15.000 Quadratmetern ausstellen. „Wir freuen uns, dass wir unter anderem mit Neutral Air Partner, WCA, Finnair Cargo, Antonov Airlines, Thai Airways und All Nippon Airways weitere wichtige Player der Luftfrachtbranche für die Messe gewonnen haben”, erklärt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München.

KI setzt sich unweigerlich durch

„Die Anwendung von KI ist die logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung in der Luftfracht“, erklärt Prof. Dr. Joachim Ehrenthal von der Fachhochschule Nordwestschweiz, Mitgestalter der offenen Diskussionsrunde „Artificial Intelligence: Next Level Air Cargo?“. Durch den „Austausch über konkrete Anwendungsfälle“ will Ehrenthal das Thema künstliche Intelligenz „auf den Boden bringen.“ KI wird bereits jetzt entlang der Luftfracht-Kette eingesetzt, etwa für Prognosen, optische Prozessüberwachung, die Fahrzeugwartung, das Packen von Behältern oder die Betrugserkennung.

Oftmals passen zu den Luftfracht-Anforderungen die Verfahren der ‚Computational Intelligence‘. Darunter werden von der Natur inspirierte Verfahren verstanden, wie zum Beispiel künstliche neuronale Netze und Schwarmintelligenz. Der Fokus liegt dabei immer auf Daten und deren automatisierter Nutzung. „Wir müssen die Daten zum Fliegen bringen: Das heißt, dass bestehende Datenfriedhöfe aktiviert und in betriebliche Entscheidungs-systeme verwandelt werden müssen“, fasst Ehrenthal zusammen.

Dr. Harald Sieke, Abteilungsleiter Luftverkehrslogistik vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), bestätigt diese Sichtweise: „KI wird entlang der gesamten Luftfrachttransportkette eingesetzt werden. Die aussichtsreichsten Möglichkeiten bestehen bei Buchung, Reservierung sowie beim Frachtaufbau für die Flugzeugladung.“ Es werde durch KI auch zu Verschiebungen im Markt kommen, da sich einzelne Player neu aufstellen und andere vom Markt verschwinden werden.

E-Commerce – auch international immer kleinteiliger
Ein weiterer Trend: Der stark wachsende Onlinehandel führt seit Jahren zu immer kleinteiligeren Sendungen bis hin zu Einzelstücken. „Diese Kleinteiligkeit wird vor allem im grenzüberschreitenden E-Commerce ansteigen, ein für die Luftfracht sehr wichtiges Segment“, prognostiziert Sieke. Zudem will der Kunde den Transport möglichst lückenlos verfolgen. Cargo iQ, eine Initiative der International Air Transport Association (IATA), will deshalb zur Prozesskontrolle, Qualitätsüberwachung und Serviceverbesserung beitragen. Emirates SkyCargo ist hier bereits seit März 2018 zertifiziert. „Wir interagieren proaktiv mit unseren Kunden über den Versandstatus“, sagt Nabil Sultan, Emirates Divisional Senior Vice President Cargo. „Wir überwachen rund um die Uhr die Transporte anhand festgelegter Meilensteine in Echtzeit und ergreifen bei Abweichungen oder Verspätungen Korrekturmaßnahmen.“
Automatisch bis selbst-navigierend
Der Fachkräftemangel beschleunigt zudem den Trend zu automatisierten Systemen sowohl beim Handling als auch beim Transport von Luftfracht. Gleichzeitig werden „bis zu fünf Prozent der Luftfracht durch 3-D- und 4-D-Druck überflüssig werden“, schätzt Sieke. Stelle man diese Zahl jedoch dem erwarteten jährlichen Wachstum der Luftfracht gegenüber, dann seien „die Effekte dieser Techniken als vernachlässigbar anzusehen“. Einen wesentlich größeren Einfluss wird hingegen das Internet of Things haben. „In Zukunft suchen sich die Sendungen selbst ihren Weg durch das Luftfrachtnetz“, meint der Wissenschaftler. In fünf bis zehn Jahren werde die aktuell intensive Forschung dazu in der Praxis spürbar sein.

Maßnahmen für den Klimaschutz

Zum Klimaschutz leistet die Luftfracht-Branche bereits heute einen vielfältigen Beitrag, von der Elektrifizierung des Bodenverkehrs bis hin zu Solaranlagen für die Bauten. Es gilt natürlich, die Nachhaltigkeit des Transportmittels Flugzeug insgesamt zu erhöhen. An diesem Ziel arbeitet zum Beispiel die europäische Clean Sky Joint Technology Initiative (JTI). Sie ist mit 1,6 Milliarden Euro das größte EU-Projekt für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrt in Europa. Ein großer Potenzialträger ist die Power-to-Liquid-Technologie, ein Verfahren zum Erzeugen klimaneutraler synthetischer Flüssigbrennstoffe. Gleiches gilt für das hybrid-elektrische Fliegen – Norwegen plant damit die emissionsfreie Luftfahrt bis zum Jahr 2040. Bis zum vollelektrischen Frachtflieger ist es dagegen aufgrund technischer Beschränkungen noch ein weiter Weg.
Quelle: PresseBox

Fuhrpark des Flughafen Nürnberg wird elektrifiziert

nachhaltige Luftfahrt

Airport fliegt auf Strom – Neue Schlepperflotte fährt elektrisch

14.03.2019

Im Rahmen seines Energiemanagements wird der Airport Nürnberg seit letztem Jahr mit 100 Prozent Ökostrom versorgt. Nach und nach wird jetzt auch der Fuhrpark auf emissionsarme Antriebe umgestellt: Nach einzelnen Nutzfahrzeugen mit Hybrid- oder Elektromotor ersetzte der Flughafen seine Schlepperflotte für den Gepäck- und Frachttransport durch Modelle mit reinem E-Antrieb.

„Ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist uns gerade als Flughafen sehr wichtig“, so Geschäftsführer Dr. Michael Hupe. Daher sei die Anschaffung von E-Fahrzeugen nur folgerichtig. Die neue Flotte besteht zunächst aus sechs Schleppern mit je 28 Tonnen Zugleistung. Bei Auswahl und umfassenden Tests am Airport wurde der Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Qualität gerichtet.

Matthias Reubel, Leiter der Gepäckabfertigung am Airport, ist mit den neuen Fahrzeugen hochzufrieden: „Mit ihrer Agilität dank hohem Drehmoment und ihrer Wendigkeit übertreffen die Schlepper unsere Erwartungen. Wir sind stolz, als erster Flughafen eine komplette Flotte der neuen E-Schlepper-Generation in Betrieb nehmen zu können.“

Dr. Tobias Harzer, Leiter des Herstellers Jungheinrich (Vertriebszentrums Süd), erklärt: „Wir haben bei der Entwicklung unseres großen Elektroschleppers EZS 7280 besonderen Wert auf hohe Leistung bei gleichzeitig niedrigem Stromverbrauch gelegt. Dadurch, dass wir dem Flughafen Nürnberg Fahrzeuge, Batterien und Ladegeräte aus einer Hand liefern, erreichen wir eine Systemlösung mit maximaler Energieeffizienz für einen besonders nachhaltigen Einsatz.“

nachhaltige Luftfahrt

Die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung hatte der Airport bereits in den Vorjahren gestellt: So wurden Hangar-Dachflächen mit Solarmodulen bestückt. Zudem wurden die großen Parkhäuser und weite Bereiche des Terminals auf LED-Beleuchtung umgestellt, was zu einer erheblichen Stromeinsparung führt. Außerdem bezieht der Flughafen schon seit Jahren Wärme aus dem Hackschnitzelheizkraftwerk eines benachbarten Landwirtschaftsbetriebs.

Quelle: Flughafen Nürnberg


 

Hydrocracker – der finale Schritt zum PtL-Kerosin

Der Power-to-Liquid-Prozess ist komplex, gerade wenn es in Richtung des finalen Produkts, z.B. PtL-Kerosin geht. IASA informiert in ihrem Journal und in ihrem PtL-Newsletter über die Möglichkeiten und Herausforderungen rund um das Thema Power-to-Liquid für den Luftverkehr. Den IASA-PtL-Newsletter können Sie hier abonnieren: https://iasaev.org/de/newsletter/

Die nachfolgende Information zum Hydrocracking stammt aus einer Verfahrensbeschreibung, die wir mit der freundlichen Genehmigung von BP Europe SE hier wiedergeben.

Wertvolles Cracken: Aus schwer mach leicht

Die Destillation zerlegt das Rohöl in seine einzelnen Bestandteile, kann aber nur eine bestimmte Produktpalette erzeugen. Durch das Cracken kann die Produktion an Benzinen und/oder Dieselkraftstoff oder leichtem Heizöl vergrößert werden. Diese leichten Produkte sind im Markt gefragt.

Foto: BP Europe SE

Die Ausbeutestrukturen, d.h. das Verhältnis der einzelnen aus einem bestimmten Rohöl erzeugten Produkte zueinander, sind durch die Destillation nur in engen Grenzen veränderbar. Man benötigt zusätzliche Anlagen, in denen die weniger erwünschten schweren Bestandteile des Rohöls in leichtere umgewandelt werden können. Hier kommen die Crackprozesse ins Spiel. Sie sind für Raffinerien wichtige Methoden, um aus dem Destillat und dem Vakuumrückstand der Rohöldestillation noch mehr hochwertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl zu produzieren.

Man unterscheidet grundsätzlich drei Verfahrensarten beim Cracken: Thermisches Cracken, katalytisches Cracken und Hydrocracken.

Durch Hitze spalten: Thermisches Cracken

Beim thermischen Cracken wird der gewünschte Effekt durch Überhitzung der eingesetzten Destillationsrückstände unter Druck erreicht. Dieser Vorgang spielt sich in den Röhren eines Spaltofens ab. Temperatur – etwa 500 Grad Celsius – und Verweilzeit im Crackofen werden so gewählt, dass ein möglichst hoher Umwandlungs- oder Crackeffekt erreicht wird.

In der BP Raffinerie Lingen erfolgt das thermische Cracken in einem Coker. Die BP Raffinerie Gelsenkirchen verfügt neben einem Coker auch über eine Schwerölvergasungsanlage sowie einen Visbreaker, eine milde Form des thermischen Spaltens. Im Visbreaker werden die Rückstände aus der Vakuumdestillation leichtflüssiger. Dieses Verfahren wird somit angewandt, um die Zähflüssigkeit schwerer Öle zu senken.

Chemische Reaktionen fördern: Katalytisches Cracken

Im Gegensatz zum thermischen Verfahren werden die aufgespaltenen Fraktionen des Rohöls beim katalytischen Cracken mit einem Katalysator erhitzt. Dies sind Stoffe, die eine chemische Reaktion fördern, ohne sich zu verändern. Es gibt zwei katalytische Crack-Verfahren: Fluid-Catalytic-Cracken (FCC) und Hydrocracken (HC).

Beim FCC wird das schwere Vakuumdestillat einer Raffinerie zu leichteren Produkten gespalten. Die Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven verarbeitet einige Erzeugnisse des FCCs in dem Petrochemie-Komplex weiter. So wird beispielsweise FCC-C3 (Propan-Propen-Gemisch) in der Cumolanlage weiterverarbeitet.

In den FCC-Anlagen setzt sich beim Cracken außerdem Kohlenstoff in fester Form als Koks am Katalysator ab. Der Koks nimmt dem Katalysator seine Wirkung. Deshalb wird der Koks in einem nachgeschalteten Regenerator abgebrannt, so dass der Katalysator erneut verwendet werden kann.

Mit Hilfe des katalytischen Crackers wird nicht nur der Anteil von schwerem Heizöl vermindert, sondern auch gleichzeitig ein Teil des Schwefels entfernt, der im Einsatz enthalten war. Die Oktanzahl der Crackbenzine liegt bei 80 bis 85.

Power-to-Liquid

Grafik: BP Europe SE

Hydrocracker spaltet in Gegenwart von Wasserstoff

Beim Hydrocracken handelt es sich um ein katalytisches Spaltverfahren in Gegenwart von Wasserstoff bei einem Druck von 100 bis 150 Bar, das eine sehr weitgehende Umwandlung des Einsatzproduktes ermöglicht. Das Hydrocracken ist ein technisches elegantes und flexibles Konversionsverfahren.

Allerdings erfordert HC aufgrund der eingesetzten Mengen an Wasserstoff besondere Sicherheitsmaßnahmen. Denn Wasserstoff kann bei hohem Druck durch die Anlagenwände dringen. Daher sind hohe Investitionen in Stahlwände notwendig.

Doch dies lohnt sich: Das Hydrocracken hat den Vorteil, dass sich je nach Katalysator und Betriebsbedingungen die erwünschte Ausbeute in bestimmte Richtungen verschieben lässt. So kann man im Hydrocracker entweder fast überwiegend Benzin oder überwiegend Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl bei gleichzeitig geringem Benzinanteil gewinnen.

Der Hydrocracker der BP Raffinerie in Lingen verarbeitet rund 1,5 Millionen Tonnen Gasöl pro Jahr. Die HC-Anlage der BP Raffinerie in Gelsenkirchen kommt bei einer Verarbeitungskapazität von rund 8.000 Tonnen täglich auf rund 3 Millionen Tonnen Gasöl pro Jahr. Damit leisten die beiden Anlagen einen wertvollen Beitrag dazu, dass auch aus dem Destillat und dem Vakuumrückstand der Destillation Produkte für unseren Alltag entstehen.

Quelle: BP Europe SE

Globale Erwärmung aufhalten

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

DLR-Szenarien für Energie und Mobilität zeigen, wie sich globale Klimaschutzziele erreichen lassen

Montag, 21. Januar 2019

  • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat gemeinsam mit australischen Partnern untersucht, welche Entwicklungen notwendig sind, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius oder weniger zu begrenzen.
  • Zwei Szenarien beschreiben, welche Entwicklungspfade bei Technologie, Infrastruktur und Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 geeignet sind, um das globale Ziel der Pariser Klimavereinbarung von 2015 zu erreichen.
  • Beide Szenarien gehen davon aus, dass sich Energieverbrauch und Energieversorgung grundlegend ändern, erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden, es deutliche Effizienzsteigerungen gibt und im Wärme- und Mobilitätsbereich verstärkt Strom sowie synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen.
  • Schwerpunkt(e): Energie, Verkehr, Klimawandel, Energiesystemanalyse

Im Auftrag der Leonardo DiCaprio Foundation hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der Technischen Universität Sydney und der Universität Melbourne untersucht, welche Entwicklungen notwendig sind, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel entspricht dem internationalen Übereinkommen bei der Pariser Weltklimakonferenz 2015. Kern der Studie sind zwei Szenarien, die beschreiben, welche Entwicklungspfade bei Technologie, Infrastruktur und Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 geeignet sind, um die globale Erwärmung auf 2,0 beziehungsweise 1,5 Grad zu beschränken.

“Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich Energieverbrauch und Energieversorgung grundlegend ändern. Wir gehen in beiden Szenarien davon aus, dass erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden, es deutliche Effizienzsteigerungen gibt und im Wärme- und Mobilitätsbereich verstärkt Strom sowie synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen”, fasst DLR-Forscher Dr. Thomas Pregger zusammen. Die Abteilung Energiesystemanalyse des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik modellierte für die Studie die kompletten Energiesysteme für zehn Weltregionen.

Die Studie geht von heute verfügbaren Technologien aus. Entsprechend der Zielsetzung wurden Optionen mit großen Unsicherheiten in Bezug auf gesellschaftliche, wirtschaftliche oder umweltbezogene Konsequenzen, wie Kernkraft, Geo-Engineering oder das Abscheiden und Speichern von Kohlenstoffdioxid (CCS, carbon capture und storage) nicht berücksichtigt.

Energiesektor: Verbrauchssenkung, Effizienzmaßnahmen, erneuerbare Ressourcen

Was den Energiesektor betrifft, setzen beide Szenarien voraus, dass der Verbrauch in den Industrieländern – entgegen dem globalen Trend – bis 2050 um über 40 Prozent gesenkt und in den sich entwickelnden Ländern langfristig begrenzt werden kann. Neben zahlreichen technischen und strukturellen Verbesserungen erfordern beide Szenarien auch Änderungen im Verbraucherverhalten sowie bei den Investitionsstrategien. Die schnelle Umsetzung von Effizienzmaßnahmen ist vor allem aufgrund der heutigen Nutzung fossiler Energieträger ein wesentlicher Faktor: Nur so lassen sich die in der Studie angenommenen maximalen CO2-Emissionsbudgets (bezogen auf den Zeitraum 2015 bis 2050) von 590 Gigatonnen (2,0 Grad) beziehungsweise 450 Gigatonnen (1,5 Grad) einhalten.

Wind- und Solarenergie tragen in beiden Szenarien erheblich zur Energieversorgung bei. Gleiches gilt für die Nutzung von Biomasse für die Kraft-Wärme-Kopplung und Biokraftstoffe sowie für Fernwärme unter Einbeziehung von solaren, geothermischen und Umweltwärmepotenzialen. Welche erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen, hängt von den regionalen Bedingungen und Potenzialen ab.

Investitionen für die Stromerzeugung belaufen sich im Zeitraum von 2015 bis 2050 auf insgesamt rund 50.000 Milliarden US-Dollar, circa 30.000 Milliarden US-Dollar mehr im Vergleich zu einem konventionellen Referenzszenario. Diese Summe beinhaltet höhere Kraftwerksleistungen zur Deckung des zusätzlichen Strombedarfs infolge der Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Verkehr sowie zur Erzeugung von synthetischen Energieträgern aus Strom. Da weniger fossile Brennstoffe notwendig sind, können rund 90 Prozent der zusätzlichen Investitionen durch geringere Ausgaben für Brennstoffe ausgeglichen werden. Diese Zahlen berücksichtigen nicht den Infrastrukturbedarf für Netzausbau, Speicher und andere Flexibilisierungsmaßnahmen.

Mobilitätssektor: Elektrifizierung, Verkehrsverlagerung, alternative Kraftstoffe

“Eine schnelle Elektrifizierung ist vor allem im bodengebundenen Personen- und Güterverkehr auf der Straße notwendig, um die 1,5- und 2,0-Grad-Szenarien zu realisieren. Damit verbunden ist ein massiver Ausbau der Batterieproduktion und darüber hinaus die Schaffung von Produktions- und Distributionsanlagen für strombasierte flüssige und gasförmige Kraftstoffe. Weitere wichtige untersuchte Maßnahmen sind die Verlagerung von Straßen- und Flugverkehr auf die Schiene soweit wie möglich und eine Begrenzung des Wachstums im Passagier- und Güterverkehr in den Industrieländern”, beschreibt Johannes Pagenkopf, DLR-Wissenschaftler in der Abteilung Fahrzeugsysteme und Technologieentwicklung des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte. Dort wurde für die Studie eine detaillierte Modellierung der zukünftigen Mobilität und des daraus resultierenden Energiebedarfs entwickelt.

Beide Szenarien gehen davon aus, dass im Jahr 2050 rund 60 Prozent aller Busse und schweren Lastkraftwagen batterieelektrisch und circa 20 Prozent mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Die Motoren der restlichen Busse und Lastkraftwagen werden mit synthetischen oder biogenen Kraftstoffen betrieben. Für die weltweite PKW-Flotte nimmt die Studie an, dass im Jahr 2050 etwa neun von zehn Fahrzeugen mit Strom oder Wasserstoff unterwegs sind. Im Vergleich zum 2,0-Grad-Szenario ist im 1,5-Grad-Szenario eine noch frühere und schnellere Elektrifizierung besonders in den Industrieländern erforderlich. Langfristig werden in beiden Szenarien synthetische Kraftstoffe eine wichtige Rolle für die Klimaneutralität haben, vor allem im Luft- und Schiffsverkehr.

Optionen und Wege aufzeigen für Entscheider in Politik und Gesellschaft

Szenarien sind keine Vorhersagen, sondern Werkzeuge, die eine denkbare Zukunft beschreiben. Mit ihnen erhalten Entscheider in Politik und Gesellschaft einen umfassenden Überblick zu möglichen Entwicklungspfaden, Alternativen und deren Konsequenzen. Denn die Gestaltung der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf nationaler wie globaler Ebene ist eine der entscheidenden Herausforderungen, um erfolgreichen Klimaschutz zu verwirklichen.

“Bei der Entwicklung dieser beiden Szenarien hat sich deutlich abgezeichnet, dass uns jetzt kaum mehr ein zeitlicher Puffer bleibt”, stellt Dr. Sven Teske von der Technischen Universität Sydney fest, der die Studie federführend betreut hat. “Vor allem im 1,5-Grad-Szenario müssen die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich und ohne weitere Verzögerungen ausgebaut und fossile Energieträger weitgehend ersetzt werden. Jedes Jahr ohne signifikante Emissionsreduktion auf globaler Ebene reduziert die Chance drastisch, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen”, so Teske weiter.

Quelle: DLR

VMK will synthetische, strombasierte Kraftstoffe auf EU- Flottenverbrauchswerte anrechnen lassen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Althusmann: Niedersachsen wird von steigender Nachfrage innovativer Treibstoffe profitieren

19.10.2018Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann begrüßt einen Beschluss der Verkehrsministerkonferenz (VMK), der fordert, dass es den Automobilherstellern künftig erlaubt sein soll, sich auch durch synthetische, strombasierte Kraftstoffe erzielte CO2- Einsparungen auf ihre Flottenverbrauchswerte anrechnen zu lassen.Althusmann: „Die Anrechnungsmöglichkeit synthetischer, aus erneuerbaren Energien hergestellter Kraftstoffe wie etwa Wasserstoff auf die CO2-Emissionen würde der Produktion und Weiterentwicklung innovativer Treibstoffe in einem Energieland wie Niedersachsen einen großen Schub verleihen. Eine steigende Nachfrage nach strombasierten Kraftstoffen ist gleichzeitig die Voraussetzung, um die zukunftsweisenden Power-to-X-Technologien auch in Niedersachsen in industriellem wie auch mittelständischem Rahmen aufzubauen.“Bislang zielen die Flotten-Emissionsvorgaben der EU vor allem auf verstärkte Anstrengungen der Automobilhersteller bei der E-Mobilität ab: So gelten E-Fahrzeuge innerhalb der Berechnung grundsätzlich als emissionsfrei, auf wenn der eingesetzte Strom zum Teil fossil erzeugt wird.Minister Althusmann: „Der Absatz von Elektrofahrzeugen verläuft trotz verschiedener Prämienanreize bislang schleppend. Den Automobilherstellern in Deutschland drohen massive Strafzahlungen, wenn sie die Emissionsziele nicht einhalten. Der Einsatz synthetischer, strombasierter Kraftstoffe kann dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren und die Automobilindustrie mit etwa 1 Million Arbeitsplätzen – davon rund 200.000 allein in Niedersachsen – vor erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen zu bewahren.“Der VMK-Beschluss wird der EU über die Bundesregierung übermittelt.Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung

Weltklimarat IPCC legt Sonderbericht über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung vor

IPCC

IPCC-Sonderbericht

Der neue IPCC-Sonderbericht, der heute in Incheon/Korea veröffentlicht wurde, zeigt, dass bereits bei 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung weltweit hohe Risiken durch die Klimafolgen bestehen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sehen in dem wissenschaftlichen Bericht einen weiteren Beleg für die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels. Dem Bericht zufolge liegt die aktuelle globale Erwärmung bereits bei etwa 1 Grad Celsius. Die derzeitigen Anstrengungen im Klimaschutz reichten nicht aus, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Im Pariser Klimaabkommen hatte die Staatengemeinschaft 2015 beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, wenn möglich unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.
IPCC

Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichts, Von links: Andreas Kübler (Pressesprecher BMU), Staatssekretär Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMBF Dr. Michael Meister und Prof. Dr. Daniela Jacob (Direktorin Climate Service Center Deutschland)

Keine Zeit mehr zu verlieren

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: “Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren. Das ist die Kernbotschaft des Berichts. Die nächsten Jahre sind entscheidend, damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Dafür trägt gerade unsere Generation eine herausragende Verantwortung. Wir müssen den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen. Jede vermiedene Tonne CO2, jedes vermiedene Zehntelgrad Erderwärmung zählt. Dieser Umbau bringt viele Veränderungen mit sich und die große Chance, unsere Wirtschaft zukunftsfähiger und unsere Gesellschaft lebenswerter zu machen.”

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: “Der Bericht zeigt: Der Klimawandel stellt uns als Gesellschaft in Deutschland, aber auch weltweit vor große Herausforderungen. Wir brauchen starke Beiträge aus der Forschung und müssen das Potenzial der Wissenschaft noch stärker ausschöpfen, um ihn in den Griff zu bekommen. Gute Ideen aus der Forschung und ein entschlossenes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können die notwendigen Veränderungen voranbringen. Diese müssen den Klimawandel mindern, gleichzeitig sozialverträglich gelingen und Innovationsschübe für die Wirtschaft liefern.”

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Risiken für Natur und Mensch zwischen 1,5 Grad Celsius und 2 Grad Celsius globaler Erwärmung stärker ansteigen als bisher bekannt. Extremereignisse nehmen deutlich zu. Insbesondere wird es weltweit zu verstärkten Hitzewellen kommen, Starkregenereignisse werden vermehrt auftreten sowie in manchen Regionen extreme Dürren. Sensible Öko-systeme wie beispielsweise die tropischen Korallenriffe oder auch die der Arktis sind besonders bedroht.

Alle mit dem 1,5 Grad Celsius-Ziel kompatiblen Emissionspfade erfordern weltweit eine radikale Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts CO2-Neutralität zu erreichen. Mit den derzeitigen Emissionsraten würden 1,5 Grad Celsius in den 2040-er Jahren bereits überschritten werden.

Quelle: BMU

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